Der Abschied vom dritten Kind(erwunsch)

Die Autorin möchte anonym bleiben.
Sie (42) lebt mit einem Mann und zwei Jungen, ohne Auto und Eigenheim, in der Zentralschweiz. Arbeitet als Pädagogin und ist zudem leidenschaftliche Spielplatz-Fussballspielerin. Sie interessiert sich sehr für das, was bei ihr oder bei anderen Menschen «dahinter» oder «darunter» verborgen ist oder wird.

Bild: Bruno Nascimento

Überraschend erzählte Evelyne in der Mamas Unplugged-Podcastfolge «Bist du schwanger?» von ihrer dritten Schwangerschaft. Noch wenige Monate zuvor hatte sie nämlich darüber berichtet, wie es sich anfühlt, wenn nicht beide Elternteile dieselbe Vorstellung von der Anzahl Kinder haben (Podcastfolge «Einseitiger Kinderwunsch»). Doch nicht immer ändert der Mann seine Meinung. Meiner zum Beispiel nicht.

Kurz meine Eckdaten: Schwierige Trennung mit dreissig Jahren (gefühlt waren alle anderen schwanger), Diagnose PCO mit 32 Jahren (häufigste Diagnose bei Kinderlosigkeit von Frauen), alle Familienhoffnungen über Bord geworfen, meinen jetzigen Mann kennengelernt mit 32 Jahren. Erstes Kind mit 36, zweites Kind mit 38, unerwarteter und unglaublich grosser Folgekinderwunsch nach dem zweiten Kind. Es blieb bei dem Wunsch. Und das war äusserst schmerzhaft für mich. Dieser Text beinhaltet sowohl meine Geschichte wie das, was ich für mich daraus mitgenommen habe.

Mir ist klar, dass ich bezüglich Kinderglück reich beschenkt bin. Ich habe zwei Kinder. Die Geburtenrate in der Schweiz lag 2019 bei 1.48. Demnach habe ich 0.52 Kinder mehr als der Durchschnitt. Ich habe grösste Achtung vor Frauen, die keine Kinder bekommen können, obwohl sie es sich gewünscht haben. Sie sind in meinem Prozess die grössten Heldinnen, ich habe viel von ihnen gelernt. Plan A klappt zu 100% nicht, Plan B, C oder D müssen her und es gelingt, ein glückliches Leben zu führen. Diese Leistung ist enorm und ich möchte sie an dieser Stelle würdigen. (Buchtipp: Wallraff, Doris: 50 Frauen kein Kind, RMd-Verlag, Gerbrunn 2021)

Auch wenn ich zwei Kinder habe: Die Tatsache, dass ich mir ein weiteres Kind wünschte und in meiner Familie als fehlend wahrgenommen habe, löste einen starken Schmerz aus.

Ich hatte Schwierigkeiten, mir diesen Schmerz zuzugestehen und anzunehmen. Ich fand ihn übertrieben. Es gibt auf der Welt unendlich viel Schmerzhafteres als kein drittes Kind zu bekommen.
Aber dieser Gedanke, ein drittes Kind zu wollen, fühlte sich an wie ein starker Sog, ein Bedürfnis, ein Ur-Wunsch.

Mein Mann hingegen hatte auch nach zwei Jahren des Das-Thema-immer-wieder-Wälzens das klare und starke Gefühl, mit unseren zwei Kindern sei unsere Familie komplett. Alles da. Ein weiteres Kind würde stören, was jetzt schon «ganz» ist. Ausserdem befürchtete er, aufgrund dessen dann zu wenig Energie zu haben, damit überfordert zu sein. Er lebt seine Vaterrolle sehr intensiv und will sie weiterhin so leben, wir teilen uns Familien- und Erwerbsarbeit.

Ich verstand meinen Mann sehr gut. Ich wusste genau, dass es ihm mit einem weiteren Kind nicht mehr gut gehen würde – das war äusserst sorgfältig abgewogen und nicht einfach eine «Ausrede». Daneben stand mein starker weiterer Kinderwunsch, der mich sehr in Beschlag nahm. Er fing an, mich auch im Alltag zu beeinträchtigen. Ich empfand Gefühle des Zerreissens, des Schmerzes, Neids. Auch der Ohnmacht und Wut, wobei ich nicht mal benennen konnte, auf wen ich wütend war.

In den schwierigeren Phasen hatte ich jeden Abend Heulkrämpfe, wenn die beiden Kinder schliefen.

Ich möchte in diesem Text nicht nur schildern, wie schwierig dieser Umstand für mich war. Sondern – für alle, die ebenfalls mit der Aussage «Ich möchte noch ein Kind, mein Partner nicht» konfrontiert sind – euch aufzählen, was mir in diesem ganzen Prozess geholfen hat.

Ich verstand meinen Mann sehr gut. Ich wusste genau, dass es ihm mit einem weiteren Kind nicht mehr gut gehen würde. | Bild: Nathan Dumlao

Was mir in meiner Situation geholfen hat

Akzeptieren des Schmerzes und der Trauer

Ich trauere nicht um ein verlorenes Kind, sondern um ein Kind, das nicht in mein Leben kommen konnte. Auch wenn ich zwei Kinder habe, diese Trauer darf sein. Oder anders: Ich muss trauern, um die starken Gefühle zu verarbeiten. Ich habe mich durch eine Psychotherapeutin professionell begleiten lassen. Das hat sich sehr gelohnt. Auch als Paar waren wir in Beratung.

Glaubenssätze verändern

In der Zeit der Trauerverarbeitung bin ich auf einige Glaubenssätze gestossen, die ich über Bord werfen musste oder muss. Gar nicht so einfach. Sie kamen durch meine Erziehung und unsere Gesellschaft in mein Leben. Eine Gesellschaft, in der nach wie vor viel Stückwerk des Patriarchats herumgeistert.

  • Glaubenssatz 1 zum Wegwerfen:
    Je mehr Kinder, desto mehr Wert hat die Frau.

Dieser Glaubenssatz begegnete mir immer mal wieder, nicht nur in meinem Kopf, sondern auch in meiner Aussenwelt. Ich entdecke ihn zum Beispiel in der Art, wie Frauen über die Anzahl ihrer Kinder sprechen. Als wären sie Trophäen oder Statussymbole. Oder wenn sie den Altersabstand von Kind 3 und 4 benennen, als wäre es eine neue Bestzeit an der Tour de France. Er schwingt mit, wenn sich Frauen über die (Anzahl) Kinder definieren, ihren eigenen Wert davon ableiten. Wenn die Anzahl Kinder per se legitimiert, sich als Erziehungsexpertin zu äussern. Oder wenn Frauen von mehreren Kindern Frauen von weniger Kindern absprechen, dass, was sie leisten, einen Wert hat und Arbeit ist.

Interessanterweise gibt es haufenweise Fotos und Portraits von Grossfamilien im Netz, die hip daherkommen. Als Kleinfamilie mit einem oder zwei Kindern kann man in dieser Hinsicht nicht so viel präsentieren.

Wenn Frauen schreiben, sie hätten sich selbst mit Wunschkind X noch nicht komplett gefühlt, finde ich das gefährlich. Vielleicht, dass sich ihre Familie noch nicht komplett angefühlt hat – ja, kenne ich. Aber nicht sie selbst als Frau? Ich habe doch nicht Kinder, um mich selbst ganz zu machen? Und wenn doch, was für eine Aufgabe für ein Kind!

Neuer Glaubenssatz 1: Jede Frau, jeder Mensch, hat den gleichen Wert.

  • Glaubenssatz 2 zum Wegwerfen:
    Je mehr Kinder die Frau hat, desto besser ist sie als Mutter.

Dieser Glaubenssatz war eine Knacknuss für mich – teilweise ist er es immer noch. Denn es schwebt darüber der Zusatz: Wenn ich es als Mutter gut auf die Reihe kriege, kann der Mann doch nicht gegen ein weiteres Kind sein. Entsprechend zweifle ich als Frau an meiner «Mutterleistung», wenn mein Mann kein weiteres Kind mehr will. Das Wegwerfen des Glaubenssatzes hat mich zu meinen Werten geführt. Denn anders als ich aufgewachsen bin, will ich in einer gleichwertigen und gleichberechtigten Partnerschaft leben, in der Familienarbeit und Erwerbsarbeit zumindest mittelfristig unter beiden aufgeteilt werden. Immer wieder geisterte in meinem Kopf herum, dass ich einfach zu wenig «Homestay-Mom» war und demnach selber schuld. Achtung, etwas provokativ: Wäre ich mit weiteren Kindern belohnt worden, wenn ich zuhause brav die Stellung gehalten hätte? Mein Vater war jedenfalls dieser Meinung.

Neuer Glaubenssatz: Alle Mütter sind gleichwertig.

  • Glaubenssatz 3 zum Wegwerfen:
    Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung mehrere Geschwister.

Die Geschwister-Beziehung ist sehr prägend und die längste Beziehung im Leben. Wenn sie funktioniert, etwas Wunderschönes. Aber sie funktioniert nicht immer.

Neuer Glaubenssatz (auch forschungsmässig bestätigt):

Ob sich ein Kind gut entwickelt, hängt vom gesamten Umfeld und von der psychischen Gesundheit der Eltern ab, nicht vom Vorhandensein/der Anzahl Geschwister. Häufig haben Kinder mit weniger Geschwistern mehr ausserfamiliäre Beziehungen.

  • Glaubenssatz 4 zum Wegwerfen:
    Alle Frauen haben die Anzahl Kinder, die sie sich gewünscht haben. Wenn nicht, ist die Frau selber schuld.

Zu spät angefangen, Karriere falsch priorisiert, falscher Partner, etc. Zusatz: Das muss doch irgendwie zu machen sein, wie ICH das will!

Kinder entstehen, wenn zwei Menschen ein (weiteres) Kind wollen, nicht verhüten oder die Verhütung aus irgendwelchen Gründen nicht funktioniert hat. ZWEI Menschen sind daran beteiligt. Es gibt Frauen, die davon ausgehen, dass man alle Kinder, die man sich wünscht, haben kann und auch haben muss. Dass es ein weibliches Recht auf ein weiteres Kind gibt (vgl. Interview mit Dania Schiftan), ein Recht darauf, dass das eintrifft, was ich als Frau will, dass es in meiner Familie passiert. Alles sei nur eine Frage der Strategie, der Partnerwahl und des idealen Altersabstands. Infolgedessen ist es ein persönliches Scheitern, wenn nicht alles glatt läuft. Das wurde mir häufig vermittelt, dass ich diese Sache einfach falsch angegangen bin.

Aber: Das Leben entscheidet manchmal etwas anderes. Menschen sind unterschiedlich. Es gibt Trennungen, Haltungsänderungen, psychische und körperliche Krankheiten, Fehlgeburten, andere Schicksalsschläge… das alles ist gar nicht so selten. Und es ist diese «Alles ist so, wie ich es mir immer gewünscht habe»-Haltung, die mich auf die Palme bringt. Gehörtes Zitat: «Das hättest du von vorneweg einfach besser planen müssen» («du», nicht «ihr»).

Ich würde behaupten: Je weniger Kinder eine Frau hat, um so wahrscheinlicher ist es, dass die Anzahl Kinder nicht ihrem Familientraum entspricht. Und je mehr Kinder sie hat, desto eher gingen ihre Wünsche der Familienplanung in Erfüllung.

Das wurde mir häufig vermittelt, dass ich diese Sache einfach falsch angegangen bin. | Bild: Bruno Nascimento

Darüber sprechen.

Hui, das habe ich wirklich viel gemacht. Tut man das, bekommt man aber auch einiges zu hören. Es hat mir aber geholfen die verschiedenen «Lager» aufzuspüren, die es nicht nur im Aussen, sondern auch in meinem Kopf gab. Gewisse Glaubenssätze vom oberen Abschnitt spuken da auch wieder rum.

Lager 1, das konservative:

«Das entscheidet doch die Frau, sie hat ja dann die Arbeit» (Grüsse vom Patriarchat). Und hier gerade noch ein Satz aus dieser Ecke, wohl aber anders formuliert: «Aber du arbeitest ja?» (Ich kenne momentan keinen Vater von drei oder vier Kindern, der nicht lohnarbeitet). Auch ganz nett: «Das musst du jetzt einfach durchboxen, wenn das dein Herzenswunsch ist. Er kann dir doch nicht deinen Herzenswunsch abschlagen! Da musst du einfach dranbleiben. Habe ich auch so gemacht.» Oder in einem Blog bin ich auf die Extremvariante gestossen: «Wenn er mir kein drittes Kind macht, verlasse ich ihn». Wunderbar! Das ist die Lösung! Auch aus einem Blog: «Jetzt lebe ich meinen Traum von drei Kindern. Leider ist die Beziehung kurz nach Eintreten der dritten Schwangerschaft in die Brüche gegangen. Die Kinder wachsen momentan ganz ohne Vater auf.»
Ich glaube, die Frage, die ich mir am meisten gestellt habe in dieser herausfordernden Zeit: Wie haben Frauen es geschafft, ihren Mann zu überzeugen oder «rumzubringen», damit er einem weiteren Kind zustimmt? Ich habe mir darüber den Kopf zermartert. Zermartert, zermartert, zermalmt. Zermartert, zermartert, zermalmt. Wieder von vorne. Immer wieder. Und eingesehen, dass mir das nicht gelingen wird. Sprich: Ich scheitere. An etwas, was – so wird mir vermittelt – scheinbar alle (Frauen) zu schaffen scheinen.

Lager 2, das gleichberechtigte oder kindzentrierte:

Dieses Lager ist der Meinung, dass es nun mal nicht reicht, wenn nur ein Elternteil ein Kind will. Beide müssen es wollen. Da habe ich unerwartet die schmerzliche Entdeckung gemacht, dass ich wohl genau ein solches drittes Kind bin. Mein Vater wollte ein drittes Kind, meine Mutter war mit zwei Kindern bedient. Und ja, das ist für mich bis heute spürbar und eine ungute Situation. Denn die emotionale Bindung, die mir meine Mutter anbieten konnte, reichte nicht. Das soll keinem Kind zugemutet werden. Oder etwas provokativ: Wie würde die Welt aussehen, wenn es nur Kinder gäbe, die von beiden Elternteilen zu 100% gewünscht sind?

Lager 3, «Aha, ich habe mir schon immer vier Kinder im Abstand von jeweils 1.5 Jahren gewünscht, so ist es heute auch. Das bei dir kann ich jetzt nicht verstehen.»

Dieses Lager scheint das Thema bzw. meine Situation nicht ganz verstanden zu haben. Ich habe es mir auch anders gewünscht! Nur leider kam es nicht so raus (vgl. «Glaubenssatz 4 zum Wegwerfen»).

Ein ähnliches Statement habe ich auch mal von einer Mutter zum Thema «Alleinerziehend» gehört: «Nein, also so alleinerziehend zu sein, das hätte ich mir jetzt nicht vorstellen können. Das hätte ich also nicht gewollt». Was sagt man da noch?

Es ist wichtig, sich nicht von Personen vereinnahmen zu lassen, die schon wissen, wie «Familie richtig» geht, nämlich so, wie sie es machen mit dieser ganz bestimmten Anzahl Kinder und diesem idealen Altersabstand und nicht anders.

Und: Ich fühle mich klar dem Lager 2 zugehörig.

Rechnen

Immer wenn ich wieder einmal das Gefühl hatte, alle Frauen hätten drei oder vier Kinder, habe ich mir in Erinnerung gerufen, dass 23% der Frauen in der Schweiz drei oder mehr Kinder haben. Das sind nicht alle. Selektive Wahrnehmung ist da das Zauberwort. Aber ja, mich dünkt, die Tendenz zu Mehrkindfamilien steigt. Meine Therapeutin sagte dazu: Ja, das ist ein Trend. Sie müssen diesen Trend aber nicht mitmachen.

Meinem Mann zuhören

Das Lager «Das musst du jetzt durchboxen» schliesst diesen Zuhören-Zugang ziemlich aus. Mein Mann hatte das klare Gefühl, dass unsere Familie mit zwei Kindern komplett sei. Ich fühlte das Gegenteil. Letztlich stand bei uns also «Gefühl gegen Gefühl». Niemand von uns hat «mehr recht».
Ich konnte die Haltung meines Mannes sehr gut nachvollziehen. Er hatte mehrere unglaublich gute Gründe dafür (übrigens selbst viertes Kind). Er meinte beispielsweise, er möchte schon «mehr Kinder». Aber nicht in der Anzahl, sondern im Alltag «mehr Zeit mit den Kindern». Wobei er jetzt schon an zwei Wochentagen zuhause ist. Er sagte, dass er sich mehr Zeit für die Paarbeziehung wünscht. Und dass seine Energie begrenzt sei. Er sei kein «Patrick, Beni oder Martin» (alles Väter von drei oder vier Kindern). Er könne das nicht. Es würde ihm dann nicht mehr gut gehen.

Da kann man «Weichei» rufen. Oder man kann sagen, dass da jemand seine Ressourcen gut im Blick hat. In der heutigen Zeit mit den Themen Burnout, Überlastung und Überforderung keine schlechte Eigenschaft. Wichtig ist mir anzumerken, dass er meinen Wunsch sehr ernst nahm und sich lange intensiv damit beschäftigte. Als er sich nicht zu einem Ja durchringen konnte, hat er hat mich in meiner Trauer begleitet. Auszuhalten, dass man die Wünsche des anderen nicht erfüllen kann, ist nicht einfach. Diese Begleitung von ihm in meiner Trauerphase war wahrscheinlich auch massgeblich, dass es gut mit uns als Paar weiterging. Für mich halte ich fest, dass mir ein engagierter Partner und Vater von zwei Kindern lieber ist als ein Vater von vier Kindern, der die Kinder an fünf Tagen nur schlafend sieht.

Abschiedsritual

Ich habe ein Abschiedsritual gemacht und meinen dritten Kinderwunsch begraben. Das war für mich das Ende des Trauerprozesses. Allein und aus der Distanz begleitet von einer Ritualbegleiterin. Danach mit Freundinnen und meinem Mann auf die erbrachte Leistung von mir angestossen und gefeiert. Das hat sehr sehr stark geholfen.

Mehrmals haben mir Frauen gesagt, sie könnten das nicht, sich von weiteren Wunschkindern verabschieden. Aber an einem bestimmten Punkt angelangt, spürte ich ganz klar, dass, wenn ich den Wunsch über Jahre weiterverfolgen würde, ich das bestehende Vertrauen zu meinem Mann übergehen und unsere Beziehung an die Wand fahren würde. Was ich damit meine: Ich habe es auch nicht gekonnt, dieses dritte Wunschkind loszulassen. Ich habe es lange nicht gekonnt. Ich musste es, für meine Familie, auch wenn das jetzt paradox klingt.

Ist mehr immer besser?

Was auch sehr geholfen hat und ich heute immer wieder aus der «Trickkiste» nehme: Wer mehr Kinder hat, muss sich auf mehr Kinder verteilen (hätte ich mir ja gewünscht! Da nicht eingetreten, suche ich nun den positiven Aspekt). Ich habe zwei Kinder und muss meine Aufmerksamkeit auf zwei Kinder verteilen. Hätte ich mehr Kinder, ginge von dieser Konzentration etwas verloren. Und wer mir erzählen will, dass es ja das Tolle ist bei vielen Kindern, dass man da vieles gar nicht mehr mitbekommt, da denke ich heute, dass das stimmen mag. Aber nur eine Seite der Medaille ist.

Tageskinder und Nachbarskinder

Wie gerne halte ich mich in einem Kinderrudel auf! Spiele Fussball mit einer Horde Vorschulkinder. Und warum genau will ich, dass das alle meine sind, blutverwandt sind – das frage ich mich immer und immer wieder. Um was geht es mir genau? Es ist wunderbar, auch zu Kindern von anderen Eltern eine gute Bezugspersonen-Beziehung zu pflegen. Hätte ich mehr Kinder, wäre das in diesem Umfang nicht möglich. Zudem begleite ich bei der Arbeit 15 Kinder und deren Eltern.

Wenn alles anders gelaufen wäre, hätte ich jetzt vielleicht vier Kinder. | Bild: Bruno Nascimento

Es gab Personen und Meinungen, die für meinen Prozess nicht förderlich waren. Oder vielleicht waren sie es doch, weil sie mich mit ihrer Meinung herausgefordert, überrumpelt und wenige Male auch verletzt haben.

Interessant fand ich, dass ich mich von vielen Frauen verstanden fühlte, die sich nicht in einer vergleichbaren Situation befanden. Verstanden fühlt man sich nicht, wenn man in der gleichen Situation steckt, sondern wenn einem jemand mit Empathie und Perspektivenwechsel zur Seite steht und versucht die damit verbundenen Gefühle zu verstehen. Ob man selbst null oder zehn Kinder hat, spielt keine Rolle, habe ich mit Erstaunen und mit Dankbarkeit festgestellt.

Mir ist wichtig anzumerken: Kinderkriegen ist kein Wettbewerb, auch wenn ich manchmal den Eindruck bekam!

Und einmal mehr geht es um die Kunst der Zufriedenheit und der Dankbarkeit, die ich immer mal wieder erkämpfen und festhalten muss. Es geht darum, sich zufrieden in dem Leben einzurichten, das man hat. Wenn alles anders gelaufen wäre, hätte ich jetzt vielleicht vier Kinder.
Aber jetzt sind es diese zwei. Genau diese.
Und es ist dieser Mann. Genau dieser.

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