Warum streiten meine Kinder immer? 10 Gründe für Geschwisterstreit

Warum streiten meine Kinder immer? Streiten scheint das neue Hobby meiner Kids zu sein.Und bei manchen Streitpunkten erwische ich mich dabei, wie ich die Augen verdrehe und denke «Echt jetzt? Über sowas streitet ihr euch?» Manchmal weiss ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll – aber immerhin: Diese Zwists sollen wunderbar für die Entwicklung sein. Insofern kann ich getrost sagen:

Mein Nachwuchs entwickelt sich prächtig.

Ich habe mir die Mühe gemacht, die wichtigsten Gründe für Geschwisterstreit zu evaluieren. Gerne präsentiere ich euch nachfolgend die Ergebnisse meiner Alltagsstudie.
1.) Erfindungen aller Art
K1: «Du hast grüne Haare, haha!»
K2: «Nein, hab ich nicht!»
K1: «Doch sicher, grüne Haare, grüne Haare!»
All diese offensichtlichen Unwahrheiten werden unter grösstem Geschrei abgewehrt. Man rennt sich hinterher, schlägt sich, beisst sich, kratzt sich, reisst sich die Haare aus, holt die NERF-Guns raus, Chaos und Verwüstung bricht aus, die Welt wird düster und dunkel. Und das alles nur wegen einer offensichtlich FALSCHEN Behauptung.
Als Mutter denkst du nur: «Hey K2, du weisst doch ganz genau, dass du braune Haare hast, also WARUM, WARUUUUUM lässt du dich so ärgern!?!»
2.) Nachahmer und Nachäffer
K1: «Nein, ich male jetzt rot, du kannst eine andere Farbe wählen»
K2 malt fleissig weiter in Rot.
K1, streckt K2 eine andere Farbe hin: «Ich will nicht, dass du auch in Rot malst! Nimm diese Farbe!!!!»
K2 malt weiterhin lässig in Rot.
K1, hat die Nase voll: «Immer machst du mir alles nach! Hör auf mir alles nach zu machen!!»
Das Ganze endet in Gekreisch und Gezoff. Die Buntstifte werden zu Pfeilen, die den imitierenden Gegner auslöschen sollen. Es kommt, wie es kommen muss, ein Stift trifft das Auge oder sonst einen Nerv und einer schreit Mordio.
Und als Mutter denkst du nur: «Idol! Vorbild! Held! Freut euch doch über eure Verehrer! Ich wünschte, ihr würdet mir mal was nachmachen. Beim Durch – und Ausschlafen zum Beispiel! Ich stehe gerne zur Verfügung.»
3.) Besserwisserei
K1: «Ich sitze links, du sitzt rechts.»
K2: «Nein du sitzt rechts und ich sitze links.“
K1: «Ich weiss doch, dass hier LINKS ist, also sitzt du RECHTS!»
K2: „«Ich will auch links sitzen!»
K1: «Aber du sitzt jetzt halt rechts und kannst nicht zu mir rüber kommen und auch links sitzen, immerhin fahren wir im Auto und sitzen in unseren Kindersitzen.»

>K2: «Mamaaaa ich will LINKS sitzen, wie K1, warum darf sie links und ich muss rechts?»

Die Diskussion wird lauter, steigert sich ins Unermessliche. Zwischen den Sitzen werden Gegenstände hin und her geschleudert. Beide beharren darauf, dass ER links sitzt. Die Lösung? Je jünger die Kinder, desto einfach lassen sie sich vielleicht noch überzeugen, dass sie ja BEIDE links sitzen.

Es kann nur einen geben. Nämlich den, mit dem der Bruder soeben weggerannt ist. Die Rede ist von einem Duplo-Stein.
4.) Zielbewusste Zerstörung

Geheul, Gekreisch, Gezeter aus dem Kinderzimmer. Ich renne hin, denke, es geht um Leben und Tod. Nun, geht es fast auch.
K2 hat das Duplohaus von K1 zerstört!

Heisst, K2 hat ein Baustein entfernt und neckt damit nun K1: «Den bekommst du nicht mehr, den nehm ich mir.»

K1 rennt K2 hinterher durch das ganze Haus. Terror, Wut, Mord und Totschlag. Apokalypse now.

Und das, obwohl gefühlt noch 2’456’799 andere Duplosteine in der Riesenkiste liegen, sogar IDENTISCHE, wie der, der gerade verfolgt wird.
«WTF!?!?»
5.) Schlägereien jeglichen Grades

Dramatisches, herzerschütterndes Weinen. Heftige Worte werden K2 an den Kopf geworfen wie «DU FRÄCHSACK! DU BLÖDI! DU BRÜEDER! WIR SIND KEINE FREUNDINNEN MEHR!»

K1 kommt mit dicken Tränen in den Augen, davon kullern einige bereits theatralisch runter, auf mich zu. «K2 hat mich geschlagen! Schau mal! Es tut so weh! Ich brauche ein Pflaster! Oder einen Verband! Einen Arzt! Vielleicht muss ich ins Spital! Muss ich Mama? Das ist alles die Schuld von K2!»

Du begutachtest die gezeigte Stelle, suchst nach den Spuren (entweder wirst du keine finden, weil es keine gibt. Oder du entdeckst tiefschürfende Kratzer, die dein Mamaherz bluten lassen). K2 kommt herbeigeeilt und will sich die Wunden ansehen und erklärt «Mami, ich habe sie nur berührt, ich habe Nichts gemacht!» Oder zeigt seinerseits SEINE Wunden. Wer nun die Henne ist und wer das Ei, lässt sich in der Regel nicht mehr festmachen. Und so bleibt dir als Mutter nur eins: «Zeit für Feierabend. Ob ich eine Amputation vorschlagen soll? Ach nein, Ironie verstehen die beiden ja leider noch nicht…»

Im einen Moment noch Herz und Seele, im anderen sind die beiden Teilnehmer eines Boxkampfes…
6.) Dutzendfach Dummes
K1: «Du bist dumm! Ich bin schlau.»
K2. «Nein du bist dumm und ICH bin schlau.»
K1: «Nein du bist dumm!!! Dumm dumm dumm!!!»
K2: «NEIIIN DU BIST DUMM!»
DUUUUUMM DUUUMMMM DUUUUUUUUMM DUMMDUMMDUMMDUMMDUMM…

Das geht so weiter… und weiter … und weiter… und WEITER und wird lauter und LAUTER. Ich habe das Wort nun so oft gehört, dass ich mich frage, was das für ein Wort sein soll. Wer hat das erfunden? Warum braucht die Welt dieses Wort?

Alles in meinem Kopf dreht sich «dummdummdummdidumm»

7.) Wahnsinnige Witzerzählerei

K2: «Ich habe einen guten Witz: Gagi-Bisi-Furz-Brunz.» *lacht sich schlapp
K1: «Das ist nicht lustig!»
K2, singend: «Gagiii, Bisiiii und Fuuuuurz und das essen wir alle und triiiinken!»

K1, immer noch not amused: «Stopp jetzt! Es ist wirklich nicht witzig!»
K2, lauthals lachend: «Ist es dooooch!»
K1, kreischend, schrill, hoch: «NEIIIIIIN IST ES NIIIIICHT!!!»
K2, inzwischen heulend: «Doch, Mama, oder? Das ist witzig!»

Je witziger der Erzähler (K2) das findet, umso provozierter fühlt sich K1. Erzählt jedoch K1 mal einen Witz und K2 lacht nicht: Oho, auch dann heisst das «Chübeli um». «Mamaaa, der lacht NIE über meine Witze.»

Und für Mama ist weder die eine noch die andere Variante witzig.

K2: «Dann bin ich eben der zweite Gewinner!» – funktioniert leider selten, dass beide gewinnen… | Bilder: Kelly Sikkema
8.) Möge der Erste auch gewinnen
K1: «Juhu, ich war als Erstes beim Auto – ich habe gewonnen!!»
K2: «Ich habe auch gewonnen!»
K1: «Nein, du hast verloren, VERLOOOREN, ich habe GEWONNEN!!!! Ich gewinne, du verlierst!!!»
K2: «Dann bin ich eben der zweite Gewinner!»
Die Gewinner-Debatte artet zu einem Wortgefecht aus und das schwappt zu unfairem Geschubse über. Es wird unsportlich. Kein Teamplay mehr. Die Kameradschaft ist vergessen und die Hooligans prügeln sich die Köpfe ein. Und der Schiri, äh Mutti, denkt sich: «Wenn zwei sich streiten, freut sich wer schon wieder? Ich bin’s jedenfalls nicht.»
9.) MEINS!
K1: «Das ist MEIN Velo, nur ich kann mit dem fahren.»
K2: «Ich will aber auch mal mit deinem Velo fahren.»
K1: «Dann will ich mit deinem Traktor fahren!»
K2: «NEIN, du kannst das nicht, nur ich kann den Traktor fahren!»
Natürlich werden unzählige Versuche unternommen, doch mit dem Eigentum des anderen fahren oder spielen zu können. Nicht einmal Bestechung wird ausgelassen. Da alles nichts nützt, bleibt am Ende nur noch die gewissenlose Entwendung des Objekts der Begierde. Klar, dass das mit vehementen Abwehrgebrüll begleitet wird.

Zukünftig werden Sachen mit Fingerprint, Iris-Scan und Gesichtserkennung gesichert. Oder einfach doppelt angeschafft. Übrigens ein heisser Tipp: Dinge wie Bonbons oder sonstiges, immer in der exakt identischen Ausführung anschaffen.

10.) Liebesdinge
Na, wessen Kinder haben sich auch schon gestritten, wer denn die Mama oder den Papa mehr liebt? Das Ganze startet eigentlich ganz süss und witzig.
K1: «Mama ,ich liebe dich.»
K2: «Mama, ich liebe dich meher.»
K1: «Nein, ich liebe dich am Mehrsten!»
K2. «Aber ich liebe dich noch besser Mama, und Papa auch.»
K1: «Ja, den Papa liebe ich am allermeisten, genau so wie Mama…»
So schaukelt sich das Ganze hoch und obwohl so viel LIEBE im Raum zu sein scheint, endet es in einem kindlichen Desaster. Wer liebt wen wohl am Mehrsten und überhaupt. Da hilft nur, einmal alle Kinder fest zu knuddeln und zu sagen: «Wisst ihr, wer von uns allen am aller aller aller aller meistesten liebt? Ich! Ich liebe EUCH am meisten von allen.»
Bilder: Kelly Sikkema | Unsplash
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