Vier Kleinkinder, eine Kündigung und der Traum vom Ferienhaus

Obwohl beide in den Walliser Bergen aufwachsen, gehen Manuela und Damian Amstutz unterschiedliche Wege. Sie arbeitet als Reiseleiterin und Kinderanimateurin im Ausland. Er lebt im Bergdorf, in dem er aufgewachsen ist. Pendelt für seine Arbeit als Elektriker nach Zermatt. Sie liebt das Meer. Er die Berge. Als sie sich im Ausgang kennenlernen, treffen zwei Welten aufeinander.

Heute sind die beiden seit über zehn Jahre zusammen. Wohnen im Dorf seiner Kindheit, neben seinen Eltern. «Schlussendlich bin ich hier gelandet», sagt Manuela, «ich kann mich überall anpassen. Er hat mir schon nach einer Woche gesagt, dass er nie nach Zermatt und ganz sicher nicht ins Ausland ziehen würde.» Sie haben vier Kinder in fünf Jahren, in derselben Zeit kündigt Damian seinen Job, um ein gemeinsames Familienprojekt zu starten: In Eigenregie und neben vier Kleinkindern ein heruntergekommenes Ferienhaus im Dorf zu AZ Apartments.ch umzubauen. Ein für Grächen ’neumodisches‘ Angebot für Touristen.

Familie Amstutz, rund sieben Jahre nach der Kündigung von Damian. Wo sie hier stehen, verraten wir später.

Grächen ist ein Dorf im Wallis. Zwischen Zermatt und Saas Fee. Auf 1600 Meter über Meer gelegen, rund 1200 Einwohner zählend. Ausser, es ist Hochsaison. Dann verdoppeln sich die Bewohner. Besetzen Pisten, Parkplätze und Einkaufsläden. «Wenn man hier wohnt, weiss man genau: In der Saison gehst du am Morgen früh einkaufen oder du lässt es. Damit arrangierst du dich», sagt Manuela. «Und in der Silvesterwoche gehst du einfach nicht Skifahren», ergänzt ihr Mann Damian.

Sie sitzen im Frühstücksraum, den sie komplett selbst gebaut und eingerichtet haben. Über ihnen vier Ferienwohnungen, «Nino», «Nico», «Giulio» und «Luca». Benannt nach ihren vier Kindern, vier Jungs. Kinder, ein Traum von Manuela und Damian. «Ich wollte immer viele», doch nach dem dritten war für Damian eigentlich Schluss: «Familie gibt viel Arbeit. Aber Manuela wollte immer eine gerade Anzahl.»
«Ich hatte Mühe damit, aufzuhören», ergänzt Manuela mit einem Funkeln in den Augen.
«Wir haben vier gesunde Kinder. Das ist wie Lotto spielen…», findet Damian.
«Bei jedem Kind haben wir uns mehr Sorgen gemacht. Drei gesunde Kinder, ist da ein viertes nicht einfach das Glück herausgefordert?»

Doch das Glück lässt sich von den beiden gerne herausfordern.

300 Sonnentage zählt Grächen im Jahr. Und bei Manuela und Damian scheinen die Sonnentage ähnlich verteilt zu sein. «Im Moment stehen wir auf der Glücksseite. Alle leben noch, alles ist immer aufgegangen», sagt Damian. «Ausserdem haben wir nie gleichzeitig einen Tiefpunkt», sagt Manuela. «Wenn es mir nicht gut geht, sagt er, wir schaffen das – und umgekehrt.» Und einander aufbauen, das mussten sie in den letzten zehn Jahre ein paar Mal. Sie haben viel gewagt, und noch mehr gewonnen.

Mit der Geburt des vierten Kindes 2013 kaufen sie gleichzeitig angrenzend an ihr Grundstück ein älteres, sanierungsbedürftiges Ferienhaus, dessen Wohnungen als Ferienwohnungen vermietet werden. Doch die Immobilie ist heruntergekommen. «Ich habe mich so geschämt, wie’s ausgesehen hat», sagt Damian. Vier Betten für 60 Franken pro Nacht – wir hatten ein schlechtes Gewissen, aber die Stammgäste fanden das ganz in Ordnung.»

Doch für beide ist klar. So wie es ist, kann es nicht bleiben. Die Wohnungen müssen renoviert werden. Aber mit vier Kindern, Damians 100%- und Manuelas Teilzeitpensum bleibt keine Zeit für grosse Sanierungsarbeiten. Bis Damian mit einer verrückten Idee kommt: Den sicheren Job kündigen, eine GmbH gründen, den Vater anstellen und das gesamte Haus in Eigenregie umbauen. Schliesslich sei er selber immer der erste und der letzte auf einer Baustelle, da kriege man so einiges mit. «Und wenn ich was nicht wusste, habe ich einen Kollegen gefragt.» Ihr Ziel: Ferienwohnungen schaffen, die speziell für Familien geeignet sind.

Echt jetzt. Gibt es etwas Besseres, als eine Ferienwohnung, in der Kinder willkommen sind?
Im Frühstücksraum, wo man Frühstücken darf – nicht muss – eine grosszügige Spielecke.

 

2014 macht Damian ernst und kündigt seine Anstellung in Zermatt. Eine Ferienwohnung im Haus, wo sie wohnen, generiert ein kleines Einkommen. «Am Anfang war’s schwer», so Manuela.

Damian sah das entspannter: «Ich war immer risikofreudig, positiv. Wer nicht gewagt, gewinnt nicht. Man ist nur einmal jung.»

Die beiden ergänzen sich perfekt. «Ich bin die, die bremst; Damian hat tausend Ideen im Kopf. Schlussendlich gibt’s einen Mittelweg.»

Nino war bei Umbaubeginn noch ein Baby. Inzwischen ist die Familie aus dem Kleinkindalter draussen.

Frisch gekündigt und voller Tatendrang sind Damian und sein Vater nonstop mit Umbauarbeiten beschäftigt. Sie höhlen das ganze Gebäude aus, verlegen eine Bodenheizung. Kaufen sogar einen Bagger für den Aushub. «Mir war ein Rätsel, wie ihr das gemacht habt», sagt Manuela. Den Frühstücksraum, in dem sie sitzen, gab es vorher nicht, «das haben wir ausgehoben, die Mauern gemacht, verputzt, alles.» Doch etwas fehlte. Das Wirtepatent. Obwohl die beiden kein Hotel führen, braucht es fürs Ausschenken und Frühstückbuffet eine Bewilligung.
«Da hat Manuela schnell das Wirtepatent gemacht.», Damian.
«Daneben die vier Kinder», Manuela, «eins davon noch Baby».
«Du lernst schneller, also mach’s du, hab ich dir gesagt.»
«Innert zwei Monaten hatte ich es.»

Das Ferienhaus ist nicht nur Damians Projekt. Beide sind Feuer und Flamme dafür. Und Manuelas Erfahrungen in der Reisebranche setzen sie konkret um. Damit eint sich der Weg, den beide so unterschiedlich begonnen haben.

Egal, wie fest Damian die Berge liebt, in die Ferien gehen sie immer. An Manuelas Lieblingsort, das Meer. Doch Buchen für eine sechsköpfige Familie ist frustrierend. «Die meisten Hotels haben keine grösseren Räume, Ferienwohnungen konnte man bis maximal fünf Personen suchen». Bei ihrem Angebot soll das darum komplett anders sein.

«Wir probieren etwas zu machen, was wir sofort buchen würden. Eine grosse Wohnung, Platz, mit allen notwendigen Dingen – und trotzdem einem gewissen Service. Ein Ort, an dem man nicht nonstop ‚Psssst, pssst‘ sagen muss.»

Auch Grosseltern könnten mitbuchen, indem man die Familienwohnung einfach um eine Grosselternsuite mit Bad erweitern kann.

Doch bis zur ersten Vermietung dauert es. Unzählige Arbeitsstunden, eine Belastung für alle. Damian ist meist bis tief in die Nacht auf der Baustelle beschäftigt, Manuela kümmert sich um Haushalt und Kinder, arbeitet nach wie vor Teilzeit als Lehrerin. «Jeden Samstag haben wir gearbeitet«, erinnert sich Damian, «es war eine intensive Zeit. Wenn man drin ist, ist man drin. Macht einfach. Und im Nachhinein fragt man sich: Wie haben wir das gemacht?»

Die Jungs sind zurück vom Skifahren – jetzt gibt’s ein Zvieri.

Ihre Eltern sind eine grosse Hilfe in dieser Zeit. «Sie haben die Kinder gehütet, so dass wir zusammen die Apparate und alles auswählen konnten», sagt Manuela. Oder die Kinder kommen mit auf die Baustelle, wo sie schaufeln und werkeln dürfen. «Damian war trotzdem nahe, obwohl er viel am Arbeiten war».

Mit dem Projekt ‚AZ Apartments.ch‚ sind Damian und Manuela Pioniere in einem Bergdorf, das sich nur langsam an Neues gewöhnt, und wo ungewöhnliche Ideen selten Anklang finden.

«Niemand hat verstanden, was wir machen. Wir sind kein Hotel und auch nicht nur eine Ferienwohnung. Damit sind wir mittendrin. Und mussten uns alles erkämpfen. Die Hotels mochten uns nicht, weil wir keine Angestellten haben.» Ihr Angebot ist hybrid: Kein Hotelbetrieb, aber auch keine reine Vermietung einer losgelösten Ferienwohnung. Ihr Ding ist learning by doing. «Wir haben alles so aufgebaut, dass wir es zu zweit schaffen. Einzig die Reinigung geben wir extern. Alles andere machen wir selber.»

Dann ist es soweit. Die ersten Gäste kommen an und nutzen die neuen Ferienwohnungen von Manuela und Damian. «Am Anfang ist man aufgeregt. Geben die Gäste gute Bewertungen? Im ersten Jahr hatte ich Angst. Ich habe das Herz am rechten Fleck, bin sensibel.» Seit vier Jahren empfangen sie jetzt Gäste, das Feedback ist durchwegs positiv, fünf Sterne bei Google und Booking.com. «Man fühlt sich hier vom ersten Augenblick an zuhause. Bestens geeignet für eine Grossfamilie.» und «Schöner 3-Generationenurlaub in Grächen.» oder «Für Familienferien mit Kindern perfekt. Alles vorhanden. Sitzplatz mit Spielplatz und Spielraum im Nachbargebäude perfekt. Sehr nette Gastfamilie. Gerne wieder.» – um einige der Bewertungen zu nennen.

Gerne wieder! Die Gäste von Manuela und Damian Amstutz sind zufrieden, verteilen viele Sterne.

Die Rückmeldungen der Gäste tun den Amstutz‘ gut: «Es ist schön, wenn die Leute sagen, dass es ihnen gut gefällt. Das macht einen stolz», sagt Damian.

Die Bewertungen sind gut, die Gäste zufrieden. Und bringen die Welt nach Grächen. Deutsche, Holländerinnen, im Sommer Araber, Taiwanesinnen, Inder… «Meine Gäste sind die Deutschen», sagt Damian, «alle anderen sind Manuelas Gäste.» Englisch ist nicht so seins. Manuela liebt es umso mehr: «Ich finde es mega cool. Ich habe extrem gerne Sprachen und ich liebe es, wenn ich sie anwenden kann.»

Und natürlich gibt es auch Anekdoten zu erzählen. Beispielsweise die Buchung eines Mannes, der mit Manuela ein Schaf schlachten wollte:

«Da kam ein Araber mit sechs Frauen angereist», erzählt Manuela, «der fragte mich nach einem Schaf, das er schlachten wollte. Ich fragte mich, wo er das denn metzgen wolle?»

«Im Garten», so die Antwort. Erst nach mehreren Anläufen konnte Manuela dem Mann die Idee ausreden. «Wir einigten uns auf Pouletfleisch und gingen zusammen einkaufen.» Dreimal am Tag wurde sie von den sechs Frauen in der Ferienwohnung zum Kaffee eingeladen. «Er machte auch immer Witze mit Damian, ob er denn zufrieden sei, mit nur einer Frau.» Nachdem die Familie abgereist war, schrieb er in seiner Bewertung online: «Manuela, she’s my best friend».

Familienprojekt Ferienwohnung vermieten. Familie Amstutz auf der Terrasse ihres Ferienhauses. Alle helfen mit. Und statt am Wochenende, fahren sie halt unter der Woche gemeinsam Ski.

Die Ferienwohnungen sind ein Familienprojekt. Samstag ein Familienarbeitstag. Die Kinder helfen putzen, Wäsche tragen, schaufeln Schnee oder mähen den Rasen. «Wir probieren, sie miteinzubeziehen. Samstag ist bei uns einfach Wechseltag. Gäste gehen, neue kommen an. Da ist Skifahren kein Thema», sagt Manuela.

«Doch das Coole ist halt, dass wir flexibel sind, Mittwoch ist unser Skitag. Direkt von der Schule auf den Berg.»

Kleine Auszeiten haben sie in einer Alphütte. Ohne Strom, mitten im Wald. «Das ist unser Ausgleich. Hier können die Kinder schaufeln, spielen, hämmern. Man ist für sich, darf Krach machen, alles.» Eine Hütte, die man nur mit einem speziellen Fahrzeug erreicht. «Wenn’s Manuela hier nicht gefallen hätte, wäre das nichts geworden mit uns.»

Obwohl die Zeit – gerade in der Anfangsphase – sehr belastend war und so manche Herausforderung mit sich brachte, sie sind zusammen. Rückschläge, daran erinnern sie sich kaum. «Ausser, als ich mir das Hangelenk gebrochen und kaum mehr arbeiten konnte», Manuela, «das war eine intensive Zeit, aber so richtig? Nein.»

«Wir haben vielleicht manchmal gezweifelt. Gedacht: Hoffentlich lohnt sich das alles. Aber dass wir das Gefühl hatten, es geht nicht mehr. Nein, das war nie der Fall.»

Sie seien sehr gegensätzlich, sagen sie voneinander. Doch statt sich daran aufzureiben, gelingt es ihnen immer wieder, daraus eine Stärke zu machen. Und der gemeinsame Fokus ist klar: «Die Kinder sind unser Lebensinhalt», sagt Manuela, «was wir machen, machen wir auch für die Kinder. Schlussendlich haben sie etwas davon.»
«Es soll ihnen gut gehen.»
«Die Familie steht im Mittelpunkt.»
«Das ist das wichtigste.»

Ruhig wird’s bei der Familie Amstutz in den nächsten Jahren nicht.«Wir sind eine wilde Familie mit den vier Buben. Wir haben einen grossen Zusammenhalt. Ich habe es am liebsten, wenn wir alle zusammen sind», sagt Manuela. Doch Damian hat da noch ein, zwei weitere Ideen… «Es gibt nicht Schöneres, als was wir haben. Wir sind so flexibel und ich könnte das Leben einfach geniessen… doch bereits als Kind hatte ich den Traum des ersten Vier-Sterne-Hotels in Grächen…»

Zimmer frei. Dieses Schild – so verrät uns Damian – ist ein Überbleibsel aus der früheren Ferienwohnungsvermietung, als viele Leute gleich beim Durchfahren eine Übernachtungsmöglichkeit gemietet haben. Das Schild muss bleiben! So will es seine Mama 😉

Wenn ihr gwundrig seit, wie die Ferienwohnung vor Ort aussieht, hier könnt ihr nachschauen und natürlich auch gleich buchen.

Wenn euch Grächen als Skigebiet für Familien interessiert (wir können’s von Herzen empfehlen), hier findet ihr unseren Artikel zum Skigebiet.

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Wettbewerbsbedingungen:
Mitmachen bis Sonntag, 24. Oktober 2021. Rechtsweg und Barauszahlung ausgeschlossen, es wird keine Korrespondenz geführt. GewinnerIn wird per Mail benachrichtigt.

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