Stillen – Wenn es einfach nicht klappt…

Autorin Franziska Dähler

Franziska Dähler erlebt mit ihrer etwas wilden Bande etliche Abenteuer rund ums Mama-Sein. Nebst dem Umsorgen ihrer drei schulpflichtigen Kindern und dem Organisieren des Familienlebens, leitet Franziska Dähler eine Tagesschule.
Energie holt sie sich durch ausgedehnte Spaziergänge mit dem Hund und Zeit in der Natur.

Der Anblick einer stillenden Frau erweckte in mir lange Zeit Trauer und Enttäuschung. Denn bei mir hat es mit dem Stillen einfach nicht geklappt.

Mein erstes Kind kam vor neun Jahren zur Welt. Die Schwangerschaft war mehr als nur gewünscht, schon beinahe herbeigesehnt. Ich war gut vorbereitet, las viele Bücher und freute mich auf die bevorstehende Zeit.

Auf etwas habe ich mich aber nicht vorbereitet. Und zwar darauf, dass es eventuell mit der natürlichsten Sache der Welt, dem Stillen, nicht klappen könnte.

Doch genau so war es.

Ich wusste um Brustentzündungen, schmerzende Brustwarzen, Probleme beim Anlegen und so weiter Bescheid. Aber bei allen mir zugetragenen Erfahrungen, wendetet sich die Sache zum Guten und es klappte schlussendlich. Bei mir nicht.

Die WHO empfiehlt, sechs Monate ausschliesslich zu Stillen. Das heisst Stillen im engeren Sinn ohne die Zugabe von Flüssigkeit. Und genauso stellte ich es mir vor.

Ich wollte dies erfüllen, um unserem langersehnten Kind den besten Start in sein Leben zu ermöglichen.

Aber es klappte nicht. Schon im Spital hatte ich zu wenig Muttermilch. Unser Kind weinte, es hatte Hunger. Die Hebammen und Stillberaterin versuchten alles. Mal war die Rede von Stillhütchen, mal wieder nicht. Alle im Spital hatten eine Meinung zu diesem meinem Problem. Alle meinten es gut, aber die Vielfalt an möglichen Empfehlungen verwirrten und überforderten mich.

Das Anlegen des Kindes gelang nicht. Der Kleine versuchte, aber es kam zu wenig Milch und wieder weinte er, denn er hatte Hunger. Eine Abpumpmaschine fand schliesslich den Weg in mein Spitalzimmer und sollte meinen Milcheinschuss unterstützen.

Um den Stress beim Kind zu verringern, wurde mit Zufüttern begonnen. Es fühlte sich an, wie das erste Versagen als Mutter.

Die Zimmernachbarin im Spital hatte schon ihr drittes Kind und bei ihr funktionierte es einwandfrei. Die Hebammen lobten sie und ihr Kind.

Ich sass abpumpend hinter dem gezogenen Vorhang und weinte, mein Baby im Blick, da dies die Milchproduktion anregen soll.

Eine halbe Stunde pro Brust und nur 10ml Muttermilch war mein Ergebnis.

Welch eine Enttäuschung. «Nimm es locker.», «Bleib ruhig», «Gib nicht auf», oder «Wenn du dich stresst, bringt das eh nichts!» waren Ratschläge, die mir gegeben wurden.

Wie aber soll man nur ruhig bleiben, wenn man etwas unbedingt möchte, nein, unbedingt will, und es einfach nicht klappt?

In meinen Vorstellungen war ich immer eine Mutter, die ihr Kind bis mindestens ein Jahr stillen wollte.

In meinem Kopf schwirrten tausend Gedanken, um den missglückten Start ins Leben meines ersten Kindes (Kaiserschnitt) und die missglückte Anfangszeit in Bezug auf die Nahrungsaufnahme.

Das Gefühl, das Kind ganz nahe am Herzen zu haben, innige Verbundenheit zu empfinden und ihm die gesunde Muttermilch geben zu können, all das wollte ich und bekam es nicht.

Da ich einen Kaiserschnitt hatte, blieb ich länger im Spital. Ich pumpte ab, weinte und versuchte alles. Die Hebammen waren sich einig, vielleicht klappt es zuhause besser. In der Ruhe und ohne Druck.
Daher beschlossen wir kurzfristig am Sonntag nach Hause zu gehen. Mein Mann erhielt den Auftrag Anfangsmilch zu kaufen. Das Zufüttern würde mir gut erklärt. Es wurde betont, dass eine Umstellung auf eine andere Anfangsmilch Bauchschmerzen verursachen würde.

Aber war es die Milch, für die ich mich entschieden hätte?

Ich fühlte mich der Möglichkeit mich zu informieren und zu entscheiden, beraubt. Wollte für mein Kind und mich entscheiden können, ob Biomilch oder nicht, ob Schweizerprodukt oder vom Grosskonzern. Ich war nicht vorbereitet.

Wir lebten uns zuhause ein. Ich pumpte fleissig ab und es änderte sich nichts. Vier Monate lang pumpte ich mit dem Ergebnis 10ml Muttermilch pro Flasche beisteuern zu können.

Nach vier Monaten kam immer weniger. Ich konnte nicht mehr und verabschiedetet mich vom Gedanken, eine stillende Mutter zu sein. Mit Tränen, Wut und Enttäuschung.

In dieser ganzen Zeit des Nicht-stillen-Könnens konzentrierte ich mich oft auf das, was nicht klappte. All die wunderbaren Gegebenheiten, die gut funktionierten, schlummerten im Hintergrund.

Unser Erstgeborener war ein wunderbarer Schläfer, zwar nur auf oder neben mir, aber er schlief und zwar viel. Er weinte wenig, war zufrieden und die Nähe zwischen uns war, nein ist, wundervoll!

Diese zuvor nicht gekannte Liebe, die ich erleben durfte, war und ist ein Wunder.

Erst als ich mich vom Stillen richtig verabschiedet hatte und die Tatsache akzeptierte, dass ich nicht alles bestimmen kann, erlangten all diese wundervollen Gegebenheiten mehr und mehr an Bedeutung.

Ein Jahr später kamen unsere Zwillinge zur Welt. Ich war ruhiger, gelassener und dankbar, dass die Schwangerschaft bis fast zum Schluss dauerte.
In der Hoffnung, dass es vielleicht diesmal mit dem Stillen klappen würde, versuchte ich es erneut. Aber es lief wie ein Jahr zuvor. Es kam kaum Milch. Ich entschloss bereits im Spital, abzustillen, und mich voll und ganz und ohne Abpumpstress auf meine drei Kinder und die Liebe, die mir zukam und ich ihnen schenken wollte zu konzentrieren.

Dass es mit dem Stillen nicht geklappt hat, macht mich zeitweise heute noch traurig. Aber ich habe gelernt, mich darauf zu fokussieren, was gut läuft. Rückblickend hätten mir folgende Ratschläge geholfen:

Was tun, wenn es mit dem Stillen nicht funktioniert?

1.) Fokussiert auf das, was klappt!

Falls etwas nicht klappt, sei es mit dem Stillen oder mit etwas anderem, weint, wenn euch danach ist. Ihr habt das Recht dazu. Aber geniesst dann auch wieder das Wunder der ersten Zeit mit dem frischgeborenen Baby.

Auch ohne Stillen gibt es viele wunderbare Alternativen, um die Bindung und die Nähe zwischen Mutter und Kind zu fördern. Jeder Weg ist anders, man muss ihn nur finden.

2.) Setzt euch mit Möglichkeiten auseinander

Überlegt euch, welche Anfangsmilch ihr zufüttern möchtet. Somit könnt ihr zumindest diesbezüglich mitentscheiden.

Macht euch Gedanken darüber, wie viel Energie ihr ins Abpumpen, Zufüttern, Versuchen, etc. einbringen könnt und wollt. Nicht jede Familiensituation erlaubt einen so grossen Aufwand, nicht jede Mutter hat zu Hause die nötige Hilfe und Unterstützung.

3.) Macht euch kein schlechtes Gewissen

Falls ihr euch entschliesst abzustillen, habt kein schlechtes Gewissen. Ihr seid keine Rabenmutter deswegen. Und: Ihr müsst euch nicht dauernd erklären – ausser ihr wollt es.

4.) Schliesst Frieden mit der Situation

Und am Wichtigsten: Versucht zu akzeptieren, dass man nicht alles bestimmen kann und versucht, das Gute zu erkennen, das vorhanden ist. Es ist wie es ist und so ist es gut.

 

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Bild: Isaac Quesada

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