Sisterhood – 20 Jahre Freundschaft

Zwanzig Jahre. Fünf Frauen. Eine Freundschaft.

Wie macht ihr das bloss?

Wohl eine der meist gestellten Fragen. Aber auch wir haben keine Ahnung. Die simple Antwort meiner Freundin? Aus Mangel an Alternativen – es gibt keine Besseren.

Wir haben so ziemlich jede Lebensphase zusammen durchgemacht. Wir hatten unsere wilden Partyjahre, unzählige Openair-Besuche, jede Menge Abschlüsse (Schule, Lehre, Studium, Weiterbildungen ect), diverse Auslandaufenthalte, Beziehungskrisen, Lebenskrisen, Hochzeiten und schlussendlich die Familiengründungen. Freud und Leid.

Vieles kam und ging, die Freundschaft blieb.

Unsere Geschichte beginnt im Gymi. Anno dazumal. Irgendwann vor dem Millenium.

Ich wiederholte gerade das erste Jahr und die Weibers starteten, so fanden wir uns in derselben Klasse. Ich, immer die Älteste. Auch Zuhause, drei kleinere Brüder. Eine Schwester hatte ich mir nie gewünscht.

Nun habe ich so etwas wie vier Schwestern. Obwohl ich uns wirklich nicht als Schwestern bezeichen würde. Wir sind beste Freundinnen und könnten unterschiedlicher nicht sein.

Wir haben eine fürsorgliche, listige, leicht konservative Vollzeitmutti. Nach ihrem Wirtschaftsstudium, gründete sie ihre eigene Immobilienfirma. Diese gab sie auf, um sich Zuhause Vollzeit um ihre vier Kinder zu kümmern. Ihr Mann erträgt uns auch schon mehr als 15 Jahre.

Als sie 2012 heiratete, hiess es: «Hesch eini, hesch alli.» Heisst, wenn du eine der Weiber heiratest, dann hast du eben alle am Hals. Für immer.

Hast du eine, hast du alle: Vollzeitmutti, Anwältin, Homöopathin, Marketing und Jugendarbeiterin. | Bild von ‘viel früher’

Dann haben wir unsere persönliche Anwältin. Immer gut, eine im Freundeskreis zu wissen. Sie ermahnt uns liebevoll, nicht auf ein eigenes Konto zu verzichten und unsere Männer monatlich um ein Taschengeld/Lohn zu erleichtern. Denn das sei unser gutes Recht. Sie hat ihre Jugendliebe geheiratet und ist eine scharfsinnige, intelligente und witzige Working-Mom.

Die qualifizierte, direkte und pflichtbewusste Apothekerin und Homöopathin deckt unsere medizinischen Belangen ab. Sie ist in einer Grossfamilie aufgewachsen und sehr engagiert im Musikverein sowie im Betrieb ihres Mannes. Zeit ist für sie ein wertvolles Gut und wir schätzen uns glücklich, dass wir davon etwas abbekommen.

Dann die durchsetzungsstarke, kreative und weltoffene Marketingfachfrau. Sie hat schon den halben Globus bereist, nahm sich wochen- oder monatelange Auszeiten irgendwo im Nirgendwo. Musikverein, Unihockey, Guggenmusik… Nichts, wo sie nicht dabei war. Doch dieses Jahr wird es auch bei ihr etwas ruhiger, jedenfalls was ihre Aktivitäten angehen. Denn last but not least wird auch sie Ehefrau und Mutter.

Und da wäre noch ich. Während meine Weiber in Basel, Zürich, Luzern und St. Gallen studierten, schleppte ich mich durch die Lehre als Dentalassistentin. Den besten Teil des Studentenlebens haben sie aber immer mit mir geteilt. Nämlich die Parties.

Als wir neulich über unsere Freundschaft in unserem Weiberchat diskutierten, verglich eine Freundin unsere Freundschaft mit einem Biotop. Wir sind eine Symbiose, wir brauchen einander zum leben. Als ich fragte, welche Rolle ich in diesem Biotop spiele, war ihre Antwort: «Du bist der Fisch, der die Scheisse produziert, der uns anderen am Leben erhält. Der Dung sozusagen.»

Was für ein fürchterlich lustiges Kompliment.

Humor – er verbindet uns schon immer. Sarkastisch, ironisch und mit ein bisschen Zynismus gespickt. Er ist so unglaublich heilsam und hält neben unserem wertschätzenden und respektvollen Umgang unsere Freundschaft am Leben.

Fünf Frauen. Eine Freundschaft. Man könnte denken, Zickenkrieg ist vorprogrammiert. Klar hatten wir unsere Krisen, hey zwanzig Jahre Beziehung ist doch nie krisenfrei. Aber Konkurrenzdenken gibt es bei uns eigentlich nicht.

Egal, was eine der Truppe leistet, sie hat den vollen Rückhalt von der restlichen Gang.

Wir besuchen gegenseitig Konzerte, Vernissagen, Turnabende, mal kommt eine, mal vier, mal keine. Wir sind Trauzeuginnen, Gottis, Hobbytanten, Umzugshelfer.

Oft sehen wir uns alle zusammen wochenlang nicht, oft liegt der Weiberchat über Tage hinweg brach. Aber nie habe ich das Gefühl, dass sie nicht da sind. Wir arbeiten seit gut zwei Jahren daran, uns immerhin monatlich ein Mal zu treffen. Hat sich für schwieriger herausgestellt, als gedacht. Und wenn es dann doch mal alle fünf zu einem Treff schaffen, ist es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Man bringt sich auf den neusten Stand, witzelt, erzählt Anekdoten von damals, schreibt Neue.

Zwanzig Jahre. Wir sind vom Vodka, Pickeln, zu stark blondierten Haaren, flachen Bäuchen und schlanken Beinen, die grosszügig auf Bartischen präsentiert werden zu Wein/Wasser, Falten, grauen Haaren und Afterbabybodies, die mit luftiger Kleidung kaschiert werden, über getreten.

Fünf Frauen. Fünf Ehemänner. Bald zehn Kinder. Zeit ist ein wertvolles Gut.
Und doch weiss ich mit absoluter Sicherheit, wenn ich tief in der Scheisse sitze, die ich selbst produziert habe, eilen alle herbei und acht Hände ziehen mich da raus.

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Ein Kommentar zu “Sisterhood – 20 Jahre Freundschaft

  1. Was für ein wunderbarer Text! Ich kann dir sehr gut nachfühlen da ich das Glück habe mit meinen Freundinnen das Gleiche zu erleben. Ein Hoch auf die Freundschaft 🙂

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