Sandra, wie geht es dir?

Ich bin gerade sehr zufrieden. Ich sitze mit einer Tasse heissem Tee am Familientisch und geniesse die Gemächlichkeit des Sonntags. Kein Zeitdruck. Einfach sein. Einen Blogtext planen. Ein bisschen lesen. Das Geschirr in der Küche ist aufgeräumt, die Wäscheberge im Schlafzimmer dürfen ruhig noch ein bisschen warten. Alles in allem ein sehr ruhiger, gemütlicher Sonntag.

Und während ich mich noch wohlig seufzend der Gemütlichkeit hingebe, passiert’s.

Prompt kippt ein Glas Wasser auf dem Esstisch um. Das Hausaufgabenheft von K3 wird nass, begleitet von panischem Schreien, wildem Herumgefuchtel und meinen Anweisungen, das verursachte Nass doch schnellstmöglich aufzuwischen, während ich das Hausaufgabenheft aus den Fluten hebe.

Ein kurzer Ausbruch aus der Ruhe. Wie so oft. Aber ein paar Minuten später sitze ich wieder am Familientisch, das Hausaufgabenheft liegt geföhnt unter einem Stapel schwerer Bücher, in der Hoffnung, dass es morgen wieder einigermassen brauchbar aussieht.

Zurück zur Gemütlichkeit. Zur Ruhe. Ah, ich liebe die Ruhe! Ich atme tief durch und besinne mich auf das, was gut ist. Für uns ganz selbstverständliche Dinge, wie dass ich diesen kühlen, verregneten Sonntag in unserer gemütlichen, warmen Wohnung verbringen kann. Mich mit Dingen beschäftigen darf, die ich mag. Wie backen, lesen oder schreiben.

Dass ich Menschen um mich habe, die ich liebe (auch wenn sie so oft so nervenaufreibend laut sind).

Aber meine Gedanken landen dann auch unweigerlich bei dem, was nicht so gut ist. Was auf der Welt im Argen liegt. Beim Klima. Bei Menschen, die unter anderen Menschen leiden. Bei Menschen, die weit grössere Sorgen haben als ich. Ich bin dankbar im Kleinen und betroffen im Grossen. Nun bin ich nicht mehr so zufrieden, wie ich es am Anfang des Textes war.

Ich trinke nochmals einen grossen Schluck Tee. Vielleicht hilft ein Stückchen selbstgemachtes Magenbrot, um wieder auf angenehmere Gedanken zu kommen? Kaum stehe ich in der Küche, wuseln um mich herum drei kleine Menschen, die urplötzlich hungrig sind. Hungrig nach Magenbrot.

Mit meinen Gedanken immer noch bei den guten und weniger guten Dingen, die mich beschäftigen, staune ich einmal mehr über diese drei jungen Personen, die da bei mir in der Küche stehen und unbeschwert Magenbrot mampfen.

Die mir von ihren Gedanken und Ideen erzählen, mir das Gute so deutlich vor Augen führen. Von denen ich weiss, dass sie sich zwei Minuten später wieder gegenseitig beleidigen und sich so provozieren können, dass nur noch räumliche Trennung hilft.

Für die ich manchmal das beste Mami der Welt bin, um im nächsten Moment wieder zur gemeinen und nervigen Mutter zu mutieren. Die mich manchmal unendlich viele Nerven kosten.

Aber jetzt und hier geniessen wir einfach den Moment (und das Magenbrot) und die Welt ist für einen Augenblick einfach in Ordnung.

Solche Momente gibt es auch jetzt, eine Woche später, als wir gefühlt noch enger aufeinander hocken. In unserer Wohnung, die momentan etwas kleiner scheint, etwas lauter ist, etwas chaotischer. Mit sehr wenig Ausweichmöglichkeiten. Und das noch für mindestens sechs Tage. 

Seit einigen Tagen sind wir beziehungsweise unsere Kinder in Quarantäne.

Ich fühle mich gerade noch etwas überfordert und unorganisiert. Nichtsdestotrotz ist die Grundstimmung gut. Die Kinder freuen sich, dass sie am Morgen nicht ganz so früh aufstehen müssen. Und ich? Ich freue mich darüber, dass sie auch Gutes in der Situation sehen.

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