Kurze Pause im Elternalltag? So geht’s!

 

Corinne Staub ist Mama von drei Kindern zwischen Trotzphase und Vorpubertät und nutzt jede freie Minute für Kreatives wie Nähen, Musizieren, Malen und Backen. Um Kindern individuelleres Lernen zu ermöglichen, hat sie ihren Job in der Fischstäbchenfabrik ‚Volksschule’ an den Nagel gehängt und begleitet nun Kinder und Eltern bei room-to-bloom.ch auf ihrem Homeschooling-Weg.

«Pause!» schreit es in mir. Ich möchte doch nur fünf Minuten in meinem Liegestuhl im Halbschatten liegen und mich ausser mit meinem Kaffee mit keinem anderen Bedürfnis auseinandersetzen.

Schon gar nicht mit gesuchten Socken, Durst, Pipi neben dem WC oder Langeweileanfällen meiner Kinder.

Ich möchte nur kurz, RUHE! Fünf Minuten. Naja, eigentlich lieber fünf Stunden – aber zumindest ein Kaffee muss doch möglich sein?!

Ich nehme an, ich spreche hier wohl nicht nur für mich, sondern vermutlich für viele Mütter und Väter, die noch nicht lange her, acht Wochen lang versuchten, Homeschooling, Homeoffice und Haushalt unter einen Hut zu kriegen und selbst jetzt, wo die Schulen aufgehen, überaus genug zu tun haben, die Kurve zu kriegen.

Als Mama mit freiwilliger Homeschooling-Erfahrung weiss ich, wie sehr einen diese vielseitigen Aufgaben belasten können und wie wichtig Pausen sind, um nicht sich selber und die Nerven zu verlieren.

Wie kann ich kurze Pausen im Elternalltag zu schaffen?

Liebe Eltern: Hier ein paar ganz wertvolle Tipps, wie es möglich sein kann, dass ihr zu eurer Kaffeepause kommt.

Zimmerstunde

Ich bin eine totale Befürworterin der Zimmerstunde. Keines meiner Kinder hat länger als bis dreijährig einen Mittagsschlaf gemacht. In dieser Phase, in der sie häufig nicht mehr schlafen wollen und doch eine Pause nötig haben, stelle ich meine Kinder vor die Wahl: Wollen sie den gewohnten Mittagsschlaf oder Zimmerstunde machen? Diese Stunde ist natürlich zu Beginn keine Stunde, sondern wenige Minuten. Jeden Tag kommt eine Minute mehr dazu, bis wir bei einer Stunde sind. Diese Zeit wird aber im Zimmer oder allenfalls gemeinsam mit dem Geschwisterkind in einem Zimmer verbracht und bleibt ruhig. Das heisst, es dürfen ruhige Spiele gespielt werden, Geschichten gelesen und gehört, oder es darf etwas gebastelt werden.

Zimmerstunde bei Corinne von Room to Bloom – ein Wecker fungiert als offizieller Schiedsrichter | Bilder:Chris Daeppen

 

In dieser Zeit ist Mama nicht verfügbar und die Kinder werden sehr konsequent wieder ins Zimmer geschickt, wenn sie mich stören. Bei älteren Kindern handhabe ich es sogar so, dass ich bei Störungen die verpassten Minuten mit einer Verlängerung nach der offiziellen Zimmerstunde anhänge. Die Zimmerstunde wird durch eine Eieruhr oder einen Wecker angezeigt. Der ist wichtig, denn er wirkt gewissermassen als höhere Macht und man kann allfälligen Frust etwas abwälzen.

Tagesablauf

Unser ältester Sohn braucht viel Halt durch klare Strukturen, besonders klare Tagesstrukturen. Diese helfen aber nicht nur dem ältesten Kind, sondern auch den beiden anderen.

Da ich den Tagesablauf durch Bilder klar erkennbar gliedere, zeigt ein Kaffeebild für Mamas Pause bereits am Morgen an, dass Mama nach dem Mittagessen eine Pause braucht. Auf diese Weise wird der Tag für das Kind fassbar und die Pause gehört «offiziell» zum Tag.

Spielzeug regelmässig austauschen

Meine Kinder haben nur fünf Spielsachen im Zimmer das heisst natürlich nicht, dass sie nur drei Legosteine, ein Buch und einen Stift haben dürfen. Sondern fünf Arten von Spielzeug. Z.B. Legos, Autos, Verchleiderli-Sachen, Bauklötze, Brio-Eisenbahnen, Spielküche, etc. Alles andere landet im Keller und kommt nur hoch, wenn etwas anderes runter geht.

Auf diese Weise bleibt das Spielzeug interessanter und die Kinder fühlen sich im Keller wie in einer kleinen Ludothek.

Bastelutensilien dürfen immer in ihrem Zimmer bleiben, denn Kreativität möchte ich fördern. Ebenfalls ausgenommen davon sind die Bücher (Geschichten und Sachbücher), welche nach Farben geordnet im Wohnzimmer stehen.

 

Neben Zimmerstunden braucht man auch mal zwischendurch eine (Kaffee-)Pause. Um sich diese Pause zu schaffen, hilft es, die eigenen Kinder und die eigenen Grenzen zu kennen.

Bevor ihr aktiv die Pause einfordert, stellt euch die Frage:
Können sich meine Kinder im Moment eher in ein ruhiges, eventuell sinnliches Spiel vertiefen oder brauchen sie ein Ventil, um sich ausdauernd mit einem energiegeladenen Spiel auszupowern? Gleichzeitig ist wichtig zu wissen: Wieviel Chaos kann ich aktuell ertragen, damit ich trotzdem meine Pause geniessen kann?

Ideen für eher ruhige Spielsituationen

Spezielle Boxen

Für kleine Kinder eigenen sich Boxen, die nur zu bestimmten Zeiten benutzt werden dürfen.Zum Beispiel dann, wenn Mama eine Pause macht. Ihr könnt Puzzlekisten machen, aussergewöhnliches Bastelmaterial einfüllen, das sonst nicht einfach so vorhanden ist (z.B. mit Goldstift oder Glitzerpapier), spezielles Knetmaterial oder auch viele kleine Dinge für Open-End Spiele: Schnüre, Rollen, Steine, Kapla, etc.

Lasst das Kind ab besten wählen, welche Kiste hervor genommen wird. So kann es mitbestimmen und freut sich schon auf die nächste Kiste oder Kaffeepause. Ist die Pause fertig, wird die Kiste wieder weggeräumt.

Hütten bauen

Meine Kinder sind total begeisterte Hüttenbauer. Je mehr Material ich ihnen zur Verfügung stelle, umso grösser werden die Häuser und umso länger ist meine Pause. An Wäschetagen bringe ich die miefige Bettwäsche in den Garten zum Spielen. Da werden die Häuser besonders gross und danach geht alles ohne viel Aufwand ab in die Wäsche – was so oder so der Plan war. Ein kleiner Tipp am Rande: Grosse Klammern aus dem Baumarkt (gibt’s in unterschiedlichen Grössen; es braucht rasch mal zehn Stück davon) und ein, zwei Seile zum Befestigen an Ästen und Zäunen sind perfekt.

Hütten bauen lassen – die Kinder von Corinne von Room to Bloom schaffen sich mit Tücher, Klammern und Schnur riesige Hütten.

Wenn ich noch mehr Zeit brauche, verspreche ich, ein Znüni vorbeizubringen. Die allfällige Sauerei auf der schmutzigen Bettwäsche sollte mit dem anschliessenden Waschgang ebenfalls behoben sein.

Wasser schöpfen

Ein Garant für eine Kaffeepause ist bei uns auch ein alter Wäschezuber voller Wasser und einige Schöpfkellen und Plastikbecher aus der Küche.

Was bis zweijährig das Schränkchen mit der Tupperware oder die Schublade mit allen möglichen Küchenwerkzeugen (ausser Messer, natürlich) war, wird heute mit Wasser angereichert und ist wirklich immer Erfolgsrezept – auch mal für eine halbe Stunde (natürlich in Sichtweite).

Energiegeladene Spiele

Kissenberg

Wenn es draussen regnet, die Stimmung hochkocht und Mama eine Pause will, kommt es bei uns zu einer Ausnahmeregelung: Die Kinder dürfen in der ganzen Wohnung Kissen, Decken, Duvets, etc. zusammensuchen und im Wohnzimmer einen riesigen Berg bauen und danach vom Sofa aus hineinspringen. Ein Riesenspass und garantierte 15-20 Minuten Ruhe, auch wenn diese nicht in Dezibel festzumachen ist.

Parcours

Wie wäre es denn mit einem richtigen Parcours im Wohnzimmer mit Trampolinen über Abgründe, Brücken über gefährliche Flüsse, Tretsteinen in Lavafeldern und das Ganze noch mit einer alten Stoppuhr, um die Bestzeit herauszufinden? Nach der Kaffeepause wird Mama den Parcours sogar testen, aber nur, wenn er besonders schwierig und gut durchdacht ist (mind. 20-30 Minuten Ruhe!).

Der Kaffee kommt mit in den Wald

Eine Pause bedeutet ja nicht unbedingt, dass man diese Zeit zu Hause verbringt. Mache dir einen besonders grossen Coffee-To-Go bereit und gehe mit den Kindern in den Wald. Das mache ich sogar an Waldmorgen mit einer ganzen Kindergartenklasse und ich habe den Kaffee noch jedes Mal in Ruhe trinken können.

Eventuell braucht es zu Beginn noch etwas Eingewöhnungszeit, bis die Kinder realisieren, was so ein Wald alles zu bieten hat. Ich sage nur: Langeweile fördert die Kreativität. Schon ein Seil kann mitunter neue Horizonte erschliessen…

Für Notfälle

Habe ich wirklich eine Pause nötig (Kopfschmerzen, Anflug von Grippe oder purer Erschöpfung) greife ich zu meinem letzten Mittel: Ich rufe Oma an und lasse sie via Videocall meinen Kindern eine Geschichte vorlesen. Oma hat Spass, die Kinder haben Spass und Mama schlürft in Ruhe ihren Kaffee – oder in diesen Momenten wohl eher Tee.

Wenn nichts geht:

Wenn es einfach nicht klappen will, spiele ich mit meinen Kindern «Besuch zum Kaffeetrinken». Ich lade die Kinder zu einem kleinen Snack ein, mache mir selber einen Kaffee. Irgendwann ist das Spiel zu langweilig, sie verschwinden und zurück bleibe ich mit meinem geschäumten Quentchen schwarzem, flüssigen Lebenselixier.

Kaffeepause mit den Kindern statt ohne. Merci Corinne von Room to Bloom für deine wertvollen Ideen.

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