Kinderbücher für entspannte Eltern

«Laaaangweilig, mir ist laaaaangweilig! Mami, was soll ich machen?»

Kennt ihr? Gut. Nervt euch trotzdem? Dann hat Eliane von Mint & Malve für euch DIE Bilderbuchtipps, wie ihr mit diesem und anderen Alltagsproblemen total entspannt fertig werdet.

Das ganz normale Chaos. Kind 1 ist total gelangweilt. Keins der gefühlt 35’713 Spielzeuge ist interessant, alle Nachbarskinder sind gerade doof, das Wetter ist eh doof und Bücher lesen oder – je nach Alter – anschauen?

Mein Gott, wen interessieren schon Bücher?

Buch eins «Ein grosser Tag, an dem fast nichts passierte»

Kind 2 (oder Kind 1 fünf Minuten später) nimmt gerade die ganze Hütte auseinander, reisst alles aus den Regalen, was man vor zehn Minuten schön säuberlich verstaut hat, bemalt Wände, macht ohrenbetäubenden Lärm – ähh, sorry, Musik, das ist Musik – mit den neusten Töpfen und Deckeln.

Kind 3 (wahlweise auch Kind 1 oder 2 fünf Minuten später) ignoriert konsequent eure Aufforderung, die Füsse vom Tisch zu nehmen oder seine Jacke aufzuhängen oder den heruntergefallenen Becher wieder aufzuheben, bevor der Orangensaft komplett ausgelaufen vom schönen Parkett aufgesogen ist.

Alles ganz normal, oder? Das geht nicht nur mir so, sagt ihr euch. Ruhig bleiben, rumschreien hilft jetzt auch nichts, ermahnt ihr euch. Und trotzdem seid ihr auf 180, was sage ich, 220.

Und ihr wünscht euch nichts mehr als einen Liegestuhl und einen doppelten Mojito – auf Kuba, Fidschi oder Bali.

Die Therapie: Kinderbücher.

Schön wär’s, aber als verantwortungsbewusste Eltern könnt ihr die Kinder ja nicht unbeaufsichtigt ihrem Schicksal überlassen. Ihr braucht also was – alkoholfreies – für die Seele. Irgendwas, was euch wieder erdet, euch das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein, euch entspannt. Und hier kommen meine Bilderbuchtipps ins Spiel.

Dass Langeweile gesund und wichtig ist, wisst ihr eigentlich. So rein theoretisch. Sie schafft Raum für eigene Ideen, Kreativität, Erholung. Alles klar. Trotzdem ist sie nicht leicht auszuhalten, v.a. nicht die Langeweile in Form von dauerfragenden Kindern, die einem am Rockzipfel hängen.

Mit «Ein grosser Tag, an dem fast nichts passierte» gibt Beatrice Alemagna den Glauben an das Gute an der Langeweile zurück. Das geht so: Ein Mädchen verbringt das Wochenende mit seiner Mama – und seinem Videospiel – im selben Ferienhäuschen wie immer, im selben Wald wie immer, beim selben Regenwetter wie immer. Die Mama hat keine Zeit für das Mädchen und nimmt ihm zu allem Überfluss auch noch das Videospiel weg. Also packt das Mädchen seine knallorange Jacke (und heimlich auch den Minicomputer) und geht raus.

«Die Langeweile der ganzen Welt schien sich hier im Garten versammelt zu haben. Im strömenden Regen.»

Ihr spürt die Hoffnungslosigkeit in der Situation?

Was dann passiert, wird euch wieder mit der Langeweile versöhnen. Und wenn Kind 1 jetzt noch mit euch das Buch anschaut, wird es ihm nicht anders ergehen. Das Mädchen im Buch entdeckt nämlich um sich herum ganz viele spannende Dinge, der Boden scheint plötzlich voller Schätze zu sein, Sonnenstrahlen brechen durch die graue Wolkendecke. Das Mädchen beginnt, die Welt ganz neu zu entdecken und kommt am Abend tropfnass und schmutzig, aber glücklich nach Hause. Ein wunderbares Plädoyer fürs Nichtstun!

Ein grosser Tag, an dem fast nichts passierte, Beatrice Alemagna, Beltz & Gelberg, 2018, 46 Seiten, ISBN: 978-3-407-82381-6, ab 5 Jahren | Bilder: Eliane Fischer

Buch zwei: «Fertig, Schluss! Heute darf man»
PS: Dieses Buch könnt ihr am Ende des Beitrags gewinnen!

Nichts darf man: Nicht am Tisch pupsen, nicht die total leckere Zahnpasta essen, nicht die schlafenden Eltern wecken…

Was, wenn all das und noch viel mehr für einen Tag erlaubt wäre?

Hadi Barkat und Mirjana Farkas zeigen in «Fertig, Schluss! Heute darf man», wie das aussieht: Dann darf man die Eltern wecken – mit leckerem Frühstück natürlich. Man darf Rumpelmusik machen. Man darf ein Meer in die Badewanne lassen. Und am Ende des Tages (eines sehr, sehr langen Tages natürlich) darf man schnurstracks ins Bett gehen. Oder doch noch heimlich das eine oder andere Buch anschauen?

Versucht es doch einfach mal, könnte ganz lustig und bunt werden und vielleicht entdeckt ihr so das Kind in euch wieder. Beweisbilder oder -videos bitte auf Instagram posten und @mintundmalve markieren.

Fertig, Schluss! Heute darf man, Hadi Barkat (Text) und Mirjana Farkas (Illustration), Helvetiq, 2017, 28 Seiten, ISBN: 978-2-940-48127-9, ab 4 Jahren | Bilder: Eliane Fischer

 

Buch 3: «Eltern richtig erziehen»

Ihr habt das Gefühl, an euren Kindern zu ziehen und zu zerren, ihnen Regeln nahe bringen, eure Werte von Rücksichtnahme und Solidarität vermitteln zu wollen, aber nichts kommt an?

Links rein, rechts raus? Ja, so ist das mit der Erziehung.

Ob da Ratgeber 257 über einfühlsame Leitwölfe und milde lächelnde Leuchttürme weiterhelfen kann? Wohl kaum. Versucht es lieber mal mit Katharina Grossmann-Hensels Bilderbuch «Eltern richtig erziehen».

Aber Achtung: Es ist eine Schocktherapie.

Mit dem kleinen Mädchen im roten Kleid lernen wir die Sache mit der Erziehung aus der Perspektive eines Kindes kennen: Die Eltern sind ja ganz niedlich, aber irgendwie hören sie nicht so recht auf das Mädchen. Da hilft die lauteste Stimme nichts. Auf dem Spielplatz erfährt das Mädchen von anderen Kindern, dass Erziehung alles sei.

«Erziehung ist, wenn man an den anderen so lange zieht, bis sie zu einem passen.»

Also fängt das Mädchen an, seine Eltern zu erziehen und das klappt nach einigen Startschwierigkeiten auch ganz gut. Das Mädchen bringt seinen Eltern bei, wie man sich vernünftig anzieht, dass man Kinder nicht beim Sprechen unterbricht, wie man höflich ist (wie heisst das Zauberwort?). Aber das Ganze ist auch recht anstrengend und braucht viel, sehr viel Geduld.

«Alles musste ich wiederholen. TAUSENDBILLIONENMAL.»

Und eigentlich klappt es etwas zu gut. Die Eltern werden unter der Fuchtel der kleinen Alleinherrscherin nämlich immer ruhiger, lachen immer weniger, sind eingeschüchtert. So macht das Ganze ja auch keinen Spass mehr. Was tun? Katharina Grossmann-Hensels Lösung heisst: Weniger Erziehung, mehr Beziehung. Und genau das tut das Mädchen, was da wohl passiert?

Eltern richtig erziehen, Katharina Grossmann-Hensel, Annette Betz (bei Überreuter), 2016, 32 Seiten, ISBN: 978-3-219-11670-0, ab 5 Jahren | Bilder: Eliane Fischer

Wenn ihr also mal wieder richtig am Anschlag seid, greift doch zu einem Bilderbuch statt zu einem Erziehungsratgeber und entspannt euch einfach. Und wenn das nicht hilft, dann findet ihr noch mehr garantiert nicht langweilige Buchtipps (auch für Grosse) bei MINT & MALVE oder schaut mal in die Blogbox von Mamas Unplugged.

 

WETTBEWERB [beendet]

Teilnahmebedingungen:
Teilnahmeschluss ist der Sonntag, 6. Oktober 2019.
Wer mitmacht, erklärt sich automatisch mit den Teilnahmebedingungen einverstanden.
Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Keine Barauszahlung möglich.
Der Gewinner wird über Social Media kontaktiert.

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an Helvetiq. Die anderen Bücher sind selbstgekauft.

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