Ka – Studieren und Kinder, geht das?

Die Jüngste ist gerade zwei, da startet Ka (29) von Pandalove by Ka mit dem Studium. Seither hört sie vor allem eine Frage: «Studieren mit Kindern, geht das?» Eine Frage, die sie eigentlich nicht mehr hören kann. Wir haben sie trotzdem gestellt.

Ich war sehr jung – knapp einundzwanzig – als ich meine grosse Liebe heiratete. Kurz danach wurde ich schwanger. Da dachten wohl alle:

Die spinnen doch, so jung heiraten und dann gleich Kinder kriegen. Für uns passte das aber.

Ich wollte unbedingt früh Mutter werden, das war schon immer mein Traum.

Ka (29): Ein Mann, ein Studium, ein Nähatelier, drei Kinder. | Bilder: Sarah Urech

Inzwischen haben wir drei Töchter, Lia (8), Lynn (6) und Lora (4). Vor der Geburt meiner ersten Tochter hätte ich mir vorstellen können, voll Zuhause zu bleiben und den Job vorerst an den Nagel zu hängen – wie meine Mutter das gemacht hat. Doch als die Kleine da war und ich nonstop Zuhause, änderte sich meine Meinung schnell. Mir fehlte die Abwechslung, die Wertschätzung. Also ging ich zurück in meinen Beruf als Fachfrau Gesundheit. Zuerst mit einem fünfzig Prozent Pensum, später erhöhte ich auf sechzig Prozent.

Schon damals nervten mich die Kommentare: «Wow, SECHZIG Prozent!» Ich hatte ständig das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen.

Erklären zu müssen, warum ich hohen Pensum so hochprozentig ausserhalb arbeite. Es war ja nicht so, dass ich direkt kritisiert wurde. Ich hörte nie wirklich negative Bemerkungen. Aber der Unterton, die fragenden Blicke, das reichte mir, um ein schlechtes Gewissen zu haben

Als ich mit dem Studium der Sozialen Arbeit begann, hiess es dann: «Boah, du hast drei kleine Kinder und studierst?» Meine jüngste Tochter war damals gerade zwei Jahre alt. Sie war noch sehr klein. Aber abgesehen davon, sprach in unserer damaligen Lebenssituation vieles dafür: Mein Mann hatte seine Weiterbildungen abgeschlossen und sein Lohn würde nun für uns als Familie knapp ausreichen. Ich war im Pflegeberuf nicht mehr glücklich. Die unregelmässige Arbeitszeit wurde für uns als Familie zunehmend zur Belastung. Ich wusste: So kann es nicht mehr lange weitergehen. Entweder würde ich mir einen neuen Job suchen müssen, oder: Mit dem Studium starten. Klar hätte ich auch studieren können, wenn die Kinder gross sind. Aber das wollte ich nicht.

Wenn man einen Traum hat und die Chance, ihn zu verwirklichen, dann soll man es doch einfach versuchen.

«Wie machst du das, Studieren mit drei Kindern? Geht das?», ist eine der weiteren Fragen, die darauf folgt. Eine Frage, die ich nicht mehr hören kann. Schlicht, weil bei den Männern offenbar jedem klar ist, dass die Frau zuhause den Laden schmeisst. Mittlerweile antworte ich: «Ich mache das so wie ein Vater, der studiert.»

Ich bin so froh, dass es für meinen Mann selbstverständlich ist, das Familienschiff mit mir zusammen zu schaukeln – mit allem was dazu gehört. Ich möchte nicht Kapitän des Schiffes sein, den Haushalt schmeissen, alle Termine im Griff haben.

Ihr Mann arbeitet 100%, Ka blieb anfangs 100% zuhause. Die Verteilung des Mental Loads, den eine Familie mit sich bringt, lag auf der Hand. | Bilder: Sarah Urech

Anfangs – ich Mutterschaftsurlaub, mein Mann hundert Prozent am Arbeiten – lag es auf der Hand, dass ich mich in dieser Konstellation um den Haushalt kümmerte und daher auch wusste, wann die nächste Kontrolle beim Kinderarzt anstand.

Mit dem 60-Prozent-Pensum wurde mir das zuviel. Nach der Arbeit nach Hause kommen, putzen, Wäsche waschen, für ein warmes Essen zu sorgen. Ich begann zu motzen. War genervt. Ich wollte nicht mehr die Familienagenda sein, wollte nicht mehr alleine zuständig sein für die Termine in Kindergarten und Schule. Ich wollte, dass mein Mann mitdenkt, dass er mit dem Kopf dabei ist, auch wenn er hundert Prozent arbeitet. Mein Mann und ich mussten eine Lösung finden.

Wir begannen, mehr über die Aufgaben zu reden, die anstanden und schafften es immer besser, sie unter uns aufzuteilen.

«Heute sind wir ein Team, ohne dass wir uns noch gross absprechen müssen. Mein Mann übernimmt vom Familienmanagement etwa 40% und ich 60%.»

Heute sind wir ein Team, ohne dass wir uns noch gross absprechen müssen. Mein Mann übernimmt vom Familienmanagement etwa 40% und ich 60%. So stimmt es für uns beide. Auch habe ich mich verändert. Anfang Studium war ich während der Vorlesungen gedanklich viel bei den Kindern. Hatte ein schlechtes Gewissen und dachte, ich sei nun die Mutter, die studiert und die Kinder abschiebt. Ich musste lernen loszulassen.

Im Alltag bedeutet dies, dass mein Mann Geburtstagsgeschenke einkauft.

Er weiss von jedem Kind die Kleidergrösse, denkt daran, wenn die Kinder mit der Schule in die Bibliothek gehen, oder wenn sie Schwimmunterricht haben. Er organisiert Fussballschuhe fürs Schülerturnier, etc. An den Tagen, an denen ich zuhause bin, mache ich natürlich mehr im Haushalt als er. Abends gibt es aber für beide erst Feierabend, wenn die wichtigen Hausarbeiten erledigt sind.

Ich höre oft «Du hast aber Glück, dass dir dein Mann im Haushalt und mit den Kindern hilft.»

Für mich hat das nichts mit Glück, sondern mit Übernahme von Verantwortung zu tun. Es ist kein HELFEN. Wir segeln gemeinsam, wir unterstützen uns gegenseitig. So sieht für mich eine gleichberechtigte Beziehung aus. Es ist für beide logisch, dass wir einander Raum geben, dass jeder auch mal zurückstecken muss. Auch beim Geld leben wir diese Gleichberechtigung. Momentan verdient mein Mann, aber dieses Geld geht auf ein gemeinsames Konto und gehört uns beiden, uns als Familie.

Mamas Unplugged Redaktorin Evelyne Gutknecht beim Gespräch mit Ka. | Bilder: Sarah Urech

Gleichberechtigung im Alltag zu leben, ist harte Arbeit.

Unsere Gesellschaft funktioniert so, dass die Kindergärtnerin beispielsweise die Mutter anruft, wenn sich das Kind im Kindergarten verletzt. Wenn in der Schule ein Fest ist, wird das Kind gefragt, ob die Mutter einen Kuchen backt. Ich finde, hier muss ein Umdenken stattfinden. Auch bei mir selber.

Ich musste unser Umfeld aktiv darauf hinweisen. Den Lehrpersonen klarmachen, dass an zwei Tagen die Woche nicht ich, sondern mein Mann zuständig ist, wenn mit den Kindern etwas sein sollte. Mittlerweile klappt das.

Studium und Familie unter einen Hut zu bringen ist nicht easy. An zwei Tagen die Woche bin ich an den Vorlesungen, mindestens einen Tag brauche ich zusätzlich für die Vor- und Nacharbeit. Ich bin sehr froh, dass die Kinder in dieser Zeit gut versorgt sind. Sie besuchen an zwei Tagen jeweils die Tagesschule bei uns im Dorf, wo sie von morgens um 7.00 Uhr bis abends um 18.00 Uhr betreut sind. Sie haben dort ihre Freunde und fühlen sich wohl. Und wir müssen nicht verschiedene Betreuungsplätze organisieren. Ein grosses Plus für uns.

Es gibt Momente, in denen mir alles zu viel wird. Wo mich die vielen Check- und To-Do-Listen, die parallel in meinem Kopf verlaufen, fast erschlagen.

Das passiert häufig gegen Semesterende, wenn die Abgabetermine anstehen. Dann komme ich in den Stress und habe ein Problem mit meiner Zeitplanung. Normalerweise bin ich sehr organisiert. Aber wenn alles so zusammenkommt, stresst es mich. Dann werde ich hibbelig und manchmal auch zickig. Das kriegt die Familie sehr direkt mit – was mir leidtut.

Nähen hilft mir, Stress abzubauen. Nach der Geburt der dritten Tochter habe ich damit angefangen. Mittlerweile habe ich ein eigenes Label «Pandalovebyka» und nähe auf Kundenauftrag. Das macht mir grossen Spass – ist und bleibt aber ein Hobby. Mein Nähzimmer ist meine Oase.

In ihrem Nähatelier näht Ka für ihr Label Pandalove by Ka 

Auftanken kann ich auch, wenn wir als Familie Zeit miteinander verbringen. Meine Mädchen geben mir unglaublich viel Kraft. Ich liebe die kleinen, lustigen Momente mit ihnen, mitten im stressigen Alltag – ihre spontanen Singeinlagen beispielsweise. Ich staune über ihre grosse Hilfsbereitschaft untereinander. Wichtig sind mir auch Tage, an denen ich mir sage: «Heute mache ich nichts fürs Studium, ich schaue keine Mails an, ich beantworte keine WhatsApp von Studienkollegen.» Diese Tage sind selten, ich muss sie mir bewusst nehmen. Aber sie sind wichtig und helfen mir, in meinem gefüllten Alltag einen kühlen Kopf zu bewahren.

Früher wollte ich allen beweisen, dass es möglich ist – Kinder und Studium. Auch heute will ich das noch.

Aber mir ist nicht mehr so wichtig, was die Leute denken, wie sie mich wahrnehmen, ob ich mit meinem Denken und meinem Sein anecke. Mit meiner Meinung, dass eine Frau genau dasselbe kann wie ein Mann – wenn sie denn will.

Das ist auch mein Wunsch für meine Töchter. Dass sie ein gesundes Selbstvertrauen haben und wissen, wer sie sind. Mir scheint, dass viele Frauen sich und ihre Träume irgendwann vergessen. Das soll meinen Töchtern nicht passieren. Ich möchte, dass sie als Frauen genau dasselbe tun können, wie die Männer. Das versuche ich ihnen vorzuleben.

Wenn mich heute jemand fragt, ob studieren mit Kindern möglich ist, sage ich: «Ja, wenn man einen Partner hat, der einem den Rücken deckt.»

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Ein Kommentar zu “Ka – Studieren und Kinder, geht das?

  1. Bei mir das gleiche: anfangs Studium hatte ich ein Kind, am Ende drei Kinder! Und ein Mann, der mich topp unterstützt hat. Ich weiss nicht mehr genau wie ich es geschafft habe, aber ich habe es geschafft und würde es wieder so machen!
    Und jetzt sagt mein Mann, dass er dran ist mit Studium, bzw Weiterbildung. Ich wurde andauernd gefragt: Wie schaffst du das bloss, mit drei Kindern zu studieren? Wetten dass er nicht annähernd so oft gefragt wird!

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