Janine: Warum ich blogge.

Ursprünglich ging sie als Expertin fürs Reisen an den Start. Mittlerweile schreibt Janine auch ganz viel über ihr Mamaherz und: Ihr Herz für Sisterhood. Warum sie bei Mamas Unplugged dabei ist:

Ich möchte mich ganz unbescheiden rühmen, dass ich zu der ersten Generation von Mamas Unplugged-Fans gehöre.

Ich sass gefesselt vor dem Bildschirm als die ersten Texte erschienen und dachte während des Tränenlachens immer wieder:

JA! Genau so ist es! Und darüber müssen wir (Mamas) reden.

Aufgewachsen bin ich, wie viele andere von euch wahrscheinlich auch, in einer Kultur, in der man gegen aussen das Bild der gut funktionierenden Familie abgegeben hat. Das war irgendwie einfach so.

Probleme und Herausforderungen waren privat und gingen niemanden etwas an. Punkt. Dies ist weniger als Vorwurf, denn als Feststellung zu verstehen.

Dass unsere Generation immer mehr auch über Schattenseiten des Lebens spricht, empfinde ich als eine der grössten Errungenschaften unserer Zeit.

Ich spreche von Errungenschaft, weil es für mich persönlich eine ist.

In meinen Jugendjahren rutschte ich in eine Essstörung, mit der ich einige Jahre zu kämpfen hatte. Ausgelöst wohl vor allem dadurch, weil ich sehr unsicher war in meiner Identität und nicht wusste, wo ich hingehöre.

Obendrauf schämte ich mich fortan auch noch dafür, dass ich einen so grossen Bereich in meinem Leben einfach nicht im Griff hatte. Ich kämpfte und dachte, dass ich da ganz alleine drin stehe und durch muss.

Weder meine Familie noch meine Freunde wussten Bescheid.

Denn alle anderen, so schien es mir, hatten ihr Leben gepackt. Hatten vermeintlich die besseren Karten in der Hand. Waren schöner, selbstbewusster und beliebter.

Heute weiss ich: Bullshit.

Nach der Lehre verreiste ich länger ins Ausland und realisierte, dass sich meine Haltung langfristig ändern muss, wenn ich innerlich gesund und lebensfroh werden möchte.

Die räumliche Distanz gab mir irgendwie Mut zur Nähe und ich traute mich meiner besten Freundin an, indem ich ihr einen Brief schrieb. Darin legte ich meine Kämpfe offen.

Wie sehr ich ihre Reaktion fürchtete! Gross war meine Angst vor Ablehnung.

Aber was dann folgte, war einer der grössten Learnings meines Lebens:

Meine Freundin suchte das Gespräch mit mir. Sie hörte mir zu. Sie verurteilte mich nicht, sondern umarmte mich. Stand mir helfend zur Seite. Wir gingen gemeinsam da durch. Sie fragte nach. Immer und immer wieder. Auch jetzt noch, Jahre danach.

Unsere Beziehung wurde mitten im Dreck echter und tiefer.

Was ich durch diese Erfahrung lernte, sind verschiedene Dinge, die in mir heute noch das Bewusstsein stärken, dass es wichtig ist, Dinge direkt beim Namen zu nennen.

Was für eine grosse Kraft es hat, wenn man ab und an auch Nöte aussprechen kann.

Das erste, was sich in mein Herz prägte war: Wahre Freunde bleiben. No matter what.

Weiter wurde mir bewusst: Ich darf genau so sein, wie ich bin. Mit dem, was ich mitbringe und mit dem, was ich nicht mitbringe. Sei es als Freundin, Ehefrau oder Mama. Dies entspannte mich unheimlich fest und half mir nachhaltig, nicht immer alles gleich so ernst zu nehmen. Auch mal über mich zu lachen. Gnädig zu sein mit mir.

Durch das Offenlegen meiner Schwachstelle signalisierte ich meinem Umfeld wohl auch unbewusst, dass man mit mir über Dinge reden darf.

Nach und nach gab es mehr tiefe Gespräche. Und dabei realisierte ich noch etwas: Jeder Mensch hat seine Geschichte. Egal wie hübsch, sportlich oder erfolgreich: Unsicherheit und Identitätsfindung sind gerade für uns Frauen riesig grosse Themen. Nicht nur in der Jugend. Sondern auch als gestandene Mütter.

Diese Erkenntnisse prägten mich nachhaltig.
Und motivieren mich.

Ich möchte weiter dazu beitragen, dass gerade wir Frauen echt sein dürfen.

Mit unserer Cellulite, unseren Narben vom Kaiserschnitt und all den Schoggi-Verstecken im Keller. Ja, und auch mein Kindergartenkind schläft noch in unserem Bett. So what.

Ich möchte, dass wir Frauen erleben können, dass das, was wir bringen, genug ist. Dass wir nicht alle gleich sein müssen. Dass wir alle hei nomal unglaublich viel leisten, egal wie unser Alltag aussieht. Dass unser Ringen und Kämpfen normal ist und zum Leben dazugehört. Dass es anderen ebenso geht. Damit meine ich nicht, dass ich all meine inneren Kämpfe öffentlich austragen und inszenieren muss und jeder reinschwatzen darf. Bewahre. Aber ein bisschen mehr Realität und Offenheit würde es neben all den perfekt inszenierten Insta-Familien-Bildern schon noch ertragen.

Gleichzeitig gibt es da so viel unglaublich Schönes im Mama-Alltag. Momente, in denen ich vor Stolz fast platze und am liebsten der ganzen Welt verkünden würde, was für grossartige Menschleins ich auf diese Welt gestellt habe.

Kindersprüche, ab denen ich mir schier in die Hosen mache.

Meilensteine und Erlebnisse, die ich gerne mit anderen feiern möchte. Auch das gehört zum Echtsein.

Ich blogge nicht, weil ich etwas mehr erkannt habe als andere. Weil ich mich als Übermutter sehe, die zu allem und jedem ihren Senf dazugeben muss.

Ich bin kein Profi (ausser vielleicht darin, meine Kinder zum Erstarren zu bringen, wenn ich ihnen meine Meinung trillere).

Aber ich bin Mutter. Ich stecke da mit drin. Und deshalb darf ich mitreden. Finde ich. Meine Meinung und meine Beobachtungen kundtun. In meinem Kopf schwirren tagtäglich so viele Gedanken rum. Die müssen irgendwo raus. Danke, seid ihr Abnehmer dafür.

Was mich motiviert, ist, dass wir hier bei Mamas Unplugged ein wirklich gutes Ding am Laufen haben.

Dass auf unserem Blog und in unseren Podcasts echte und authentische Gemeinschaft gelebt wird. Wir sind Frauen, die im ganz normalen Wahnsinn des Familienlebens stehen. Beim Mamasein gibt es keine Abkürzungen. Wir müssen alle den gesamten Weg gehen. Mal ist der schön und wir geniessen ihn. Mal ist er steinig und steil und wir krepieren schier.

Gehen wir ihn doch gemeinsam. Ist im Fall entspannter.

Wenn es mir also gelingt, dass ich ab und zu etwas Erheiterndes oder etwas zum Nachdenken in euren Alltag reinstreuen darf, dann hat es sich für mich gelohnt.

Wenn wir eine Plattform sein dürfen, auf der man ermutigt wird, perfekt unperfekt zu sein, dann bin ich happy. Und wenn wir uns dabei noch gegenseitig anfeuern bei diesem Sixathlon von Job, Haushalt, Kinder, Partner, Freizeit und MeTime, den wir bei Gegenwind, Sonennschein und Hagel absolvieren… hach, das wär’s doch, oder?

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