Guter Schlaf sieht anders aus

Nichtdurchschlafende Frühaufsteher. Das beschreibt meine Kinder so ziemlich genau. Mal sechs bis acht Stunden am Stück schlafen? Nein danke, das machen die nicht.

Mal nach 07.00 Uhr aufstehen? Warum auch, da hat man mehr vom Tag!

Und ich sage euch, ich habe schon alles ausprobiert. Osteopathie, Kinesologie, Spagyrik, Schlafprotokoll (Was auch immer das soll, ich war zu müde und verwirrt jede Minute unserer Nacht zu protokollieren). Wir räucherten unser Haus aus und haben die Ghostbusters gerufen.

Ich hab sie draussen spielen lassen, bis sie vor Erschöpfung zusammenklappten, joggte mit dem Kinderwagen in den Sonnenuntergang (klingt romantischer als es ist) und liess sie stundenlang im heissen Wasser schwaddern.

Was noch? Ah ja, Vodoo, Zauberei, Hand auflegen, Parapsychologie… ich hab‘ das Kind bei Vollmond kopfüber über das Bett gehängt, habe das Zimmer mit Weihrauch zugedröhnt und bin Nachts mit der Brut sieben Mal um den Friedhof gelaufen. Ich liess sie eine hässliche Kröte küssen und frittierte Fledermausflügel essen.

Eine Woche durften sie keinen Zucker zu sich nehmen, eine Woche mussten sie täglich zwei bis drei Kilo Süsskram reinstopfen.

Ich hab sie einen Tag lang zum Veganer gemacht und am nächsten nur mit Fleisch ernährt.

Ich habe ein Trampolin, eine Hüpfburg, einen Pool, ein Klettergerüst, ein «5 Minute Core» und den «Ab King Pro», überhaupt all diese tollen Teleshopping-Sachen, einfach ALLES gekauft. In der Hoffnung, dass sie nach Benutzung total fertig ins Bett fallen und 36 Stunden durchschlafen.

Doch NICHTS von alledem hat uns die langersehnte Nachtruhe gebracht.

Jede verdammte Nacht kämpfe ich mit diesem «Schlaf», der uns irgendwie nicht mag und somit selten lange beehrt.

Un was machen alle Muttis rundherum? Genau! Sie geben ihre wertvollen Tips und teilen mit dir ihre Schlaffreuden: «Also mein Kind schlief ab dem ersten Tag 16 Stunden durch plus die 5 Stunden Mittagsschlaf – voll easy.»

Dann schau ich sie mit meinen blutunterlaufenen Augen, umrahmt von pechschwarzen Augenringen an und sage so nett ich kann: «Schön für dich…»

Obwohl ich sie anschreien, ihnen mal so richtig eins ins Gesicht klatschen und ich sie liebend gerne 657 Nächte lang wach halten möchte.

Einige ältere Semester haben mir auch mitgeteilt, dass es wohl an meiner Erziehung läge. Das Kind mal schreien lassen schade nicht. Es sei verwöhnt, weil ich es ständig herumtrage (ich war ein eingefleischtes Tragemami) und es sei ja klar, dass Kinder nachts nicht schlafen, wenn sie in der Trage tagsüber dauerschlafen.

Ich trag euch gleich! In einer Urne zum Friedhof!

Auch diese Phrasen zu den Phasen. «Es esch nor e Phase!»

Fünf Jahre später stehe ich immer noch hier und werde Nacht für Nacht geweckt. Diese «Phase» dauert mir zu lange! Nehmt euch eure Phasen und steckt sie euch sonst wo hin.

Wie man sieht, das Aggressionspotenzial steigt im Verhältnis zum Schlafmangel.

Natürlich ist es inzwischen ein bisschen besser geworden. Gerade K2 hat sich durch Homöopathie zum Lang, Durch – und Ausschläfer entwickelt. Die Kügelchen hauen bei ihm voll rein. K1 hingegen ist davon weniger beeindruckt.

Wie eine Uhr ruft sie zwischen 3 und 4 Uhr morgens nach mir. Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Nächte sie in ihrem jungen Leben durchgeschlafen hat. Und meistens waren es Nächte, bei denen sie bereits im Familienbett formerly known as Ehebett eingeschlafen ist.

Wenn sie die ganze Nacht zwischen uns liegen kann, quer natürlich, mir in die Rippen tretend und das gesamte Bett in Anspruch nehmend während ich sozusagen auf der Bettkante ohne Decke schlafe und mein Mann friedlich schlummernd an der Wand klebt, DANN schläft K1 hervorragend.

Nur schlafe ich dann noch schlechter, weil ich ständig Angst habe, ich könnte runterfallen.

Ich glaube in Zukunft leg ich mich gleich neben das Bett. Oder ins Bett von K1. Oder K2. Denn das Kind schläft auch mit vier Jahren noch im Dondolo. Neben seinem Bett. Auf Nachfrage, ob das irgendwie schädigend sei, meinte der Kinderarzt nur: „Solange er schläft, lassen wir das so. Auch SIE müssen sich erholen. Und es gibt ganze Völker, die schlafen nur in Hängematten.“ Wie beruhigend, meine kleiner Wilder.

Nach so langer Zeit mit eher schlechten Schläfern, erhalte ich natürlich auch weiterhin wertvolle Tipps oder aufmunternde Worte wie «Wenn sie mal Teenies sind, kannst du sie in der Nacht wecken oder am Morgen gaaaanz früh rausholen!».

«Vielleicht bist du das Problem, du musst halt tiefer schlafen und sollst nicht immer gleich reagieren.»

Ja… gute Idee Danke, mach ich! Kein Problem. Ich sag einfach zu mir: «So liebe Rahel, jetzt schläfst du schön tief und fest und durch und hörst nicht auf irgendwelche Rufe!»

Und zum Tipp, dass ich meine zukünftigen Teenies wecken soll. Pffffff Nope! Wahrscheinlich werde ich die Zeit lieber nutzen zum Schlafen. Mit Teenies im Haus kann ich die Erholung bestimmt gut gebrauchen.

 

Bild: Laura Chouette Unsplash

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Ein Kommentar zu “Guter Schlaf sieht anders aus

  1. Ich habe keine Tipps, wirklich nicht – kann Dir nur als „im selben Boot steckende“ mein tiefstes Mitgefühl weitergeben – seit 2 Jahren schlafen ich und mein Mann in getrennten Zimmer, damit wenigstens abwechselnd einer schlafen kann – wobei es ganz sicher so ist, dass wenn es seine Nacht ist, gerade Vollmond ist, ich meine Mens kriege oder irgendwas von der Arbeit in meinem Hirn rumgeistert und ich so um meinen wohlverdienten Schlaf gebracht werde… Immer, wenn wir dachte, yes, jetzt haben wir die Lösung, dann gab sicher wieder ne Woche voll schlechter Nächte… oder es kamen Zähne/Mittelohrentzündung/you name it… hinzu..
    Eigentlich müssen wir uns einfach auf die Schulter klopfen, dafür, dass wir trotz permanentem Schlafentzug doch noch das eine oder andere auf die Reihe kriegen..

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