Elternsex – Mythos und Realität

Sex. Drei mikrige Buchstaben, ein kleines, einfaches Wort. Die Diskussionen darum sind heftig… und immer wiederkehrend. Die Abwesenheit von Sex ist oft Streitthema bei Eltern. Auch hier bei uns.

Und das liegt ehrlich gesagt hauptsächlich an mir. Dieser fehlende Elternsex.

Ich mag Sex, zeitweise habe ich ihn sogar heiss geliebt und vieles ausprobiert. Und genau dieser Satz passt nun auch zu meinem Körper. Ich mag ihn, aber heiss lieben tu’ ich ihn im Moment nicht. Dieser Körper – der zwei Mal innerhalb von zwei Jahren Leben erschaffen hat. Der zwei gesunde, aufgeweckte Kinder hervorbrachte. Er sieht halt eben anders aus und ich hab mich irgendwie noch nicht an ihn gewöhnt. Klar sagen einige, ich könnte zufrieden sein. Nur, nackt sieht das etwas anders aus. Die überschüssige Haut am Bauch hängt herunter und schwabbelt vor sich hin.

Noch schwach, in einer komischen, blaugrauen Farbe erkennt man die Dehnungsstreifen. Oberhalb des Spielplatzes prangt die Narbe vom Kaiserschnitt von K2. Der Busen hängt nach zweimal Abstillen traurig herunter. Dank Hormonschwankungen ist mein Haar lichter als gewohnt. Zudem ist es fast überall grau. Von der Cellulite reden wir gar nicht erst.

Im Spiegel sehe ich eigentlich immer nur die Reiterhosen und die dazugehörenden Dellen. Dass das komplette Bild eigentlich ganz akzeptabel aussieht, dafür bin ich blind.

Und mein Mann? Der wird irgendwie nur attraktiver, während ich dahinwelke.

Was mich noch mehr deprimiert. Er ist kräftig, stets braungebrannt, mit dichtem, schwarzem Haar. Kein einziges Graues ist ersichtlich, Nichts hängt herunter.

So bin ich des Öfteren frustiert als erregt. Das lasse ich dann auch meinen Mann spüren.

Obwohl er so lieb ist und mir immer wieder sagt, wie schön und begehrenswert ich bin. Ich sehe das nicht.

Elternsex und die Erkenntnis, falls er dann mal auftritt: «Ich kann’s ja noch!» und «Warum machen wir das nicht öfter?» | Bilder: Sandra Stirnimann

Wir haben noch Sex, auf jeden Fall. Doch es ist selten geworden. Was eindeutig an mir liegt. Und das obwohl ich mich während und danach richtig gut fühle.

Jedes Mal frage ich mich, warum machen wir das nicht öfter und warum muss ich vorher so quälen? Ich kann’s ja noch! Er will ja noch!

Doch abgesehen vom Körper ist auch die Müdigkeit immer wieder ein Hindernis. Ich habe zwei nichtdurchschlafende Frühaufsteher, die den ganzen Tag Action machen. Ich würde zu gerne mit ihnen um 20.00 Uhr ins Bett fallen. Das Müde-Sein ist zu 90% keine Ausrede, zu 10% benutze ich es aber doch als Vorwand. Der liebe Mann nuschelt dann irgendwas in seinen Bart, scheint es aber zu akzeptieren. Je nach Gefühlslage ist mir nach einer Abfuhr zum Heulen zumute oder ich gebe ihm schnippisch etwas zurück. Und genau diese schnippischen Antworten führen oft zu einem Streit.

«Wir haben ja nur noch an Geburts- und Feiertagen Sex!» «Früher haben wir täglich mehrmals!» «Bin ich nicht mehr attraktiv für dich?» «Vielleicht musst du dir einfach mehr Mühe geben!»

Diese und andere Sätze fallen und werden sofort wieder bereut.

Tief in meinem Innern, weiss ich, ICH muss an MIR arbeiten. Was ich nun auch mache. Zwei Mal zwei Stunden in der Woche gehe ich ins Training. Weg von den Kindern, raus aus dem Alltag und den Kopf abschalten. Alleine sein, Zeit nur für mich, nur schon das tut so unendlich gut. Es gibt mir neue Energie. Auch für meine Beziehung und unser Sexleben. Mehr und mehr strahle ich neues Selbstbewusstsein aus und das wirkt sich auch auf unser Bettgeflüster aus. Langsam aber sicher blüht es wieder auf.

Es gewinnt nicht nur an Häufigkeit, sondern irgendwie auch an Intensität. Ich merke, es ist wichtig. Jedenfalls für uns. Wir brauchen diese Nähe als Paar, sowie wir die Gespräche brauchen.

Beziehung ist Arbeit. Manchmal eben an sich selbst. Innerlich und Äusserlich. Selbstzufriedenheit scheint mein Schlüssel zu sein. Der Sex und somit auch wir, kommen dann von alleine.

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Thema «Elternsein und Beziehung leben». Freut euch auf mehr…

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