Den Zirkus zuhause

Kennt ihr diese Bueno Werbung? Mit der scheinbar alleinstehenden Frau ohne Kinder. Die Werbung beginnt mit dem Spruch: «An manchen Tagen geht’s zu wie im Zirkus.» Ich mein… sie ist alleine. Eine One-Woman-Show sozusagen.

Die Werbung wäre um einiges realistischer, wenn man eine Mutter mit einer Horde Kleinkinder genommen hätte.

Zirkus. Ja, so fühlt es sich an manchen Tagen bei uns an.

So, als hätte ich eine Horde Kleinkinder, nicht nur zwei.

Wir starten die Show – den Morgen – mit einer Trampolinnummer im elterlichen Familienbett.

Waghalsige Sprünge werden zum Besten gegeben. Wir Zuschauer aka Eltern können kaum hinsehen. Immer wieder halten wir die Luft an, müssen unsere Köpfe wegdrehen. Das Herz rast beim Anblick der halsbrecherischen Stunts. Zu wagemutig sind die jungen, tollkühnen Akrobaten.

Danach folgt die Morgenroutine, die mit mehreren Kleinkindern ja einer Dressurshow ähnlich kommt. Zwei, drei, vier Pferdchen… hinlegen, umdrehen, Pischis aus, Kleider an, Gesicht waschen. Im Gleichschritt – hopphopp. Eine Figur im Dressurreiten nennt sich «Kapriole» (Google Recherche ahoi). Diese können meine Kids besonders gut. Eins will ausreissen – Mooooment retour, brrr, braves Pferdchen. Hübsch die Haare zum Zopf geflochten, Streicheleinheiten hier und da, und weil alle so schön mitgemacht haben gibt’s ein Leckerli, ääääh, Frühstück. 

Kaum ist diese Zirkusnummer durch, folgt die nächste.

MAGIE! Frühstücksflocken verschwinden auf mysteriöse Art und Weise und tauchen an den unmöglichsten Orten wieder auf.

In Mamas Ausschnitt, in der Windel (unverdaut intakt) oder in der Spielzeugkiste in einem Raum, zwei Stockwerke höher. It´s magic!!

Beim Zubereiten vom Mittagessen fühle ich mich oft wie eine Schlangenfrau. Ich als Kontorsionistin. Schöne Vorstellung, doch ich verbiege nicht etwa das Bein hinter meinem Kopf oder klappe wie ein Klappmesser zusammen. Nein, ich schlängle mich durch das ganze Spielzeug, das in der Küche liegt. Denn spielen muss man ja mitten in der Manege unter applaudierendem (oder eher fluchendem) Publikum. Zwischen Kochtöpfen, Spielzeugtraktoren, Bäbis, Esswaren und Tellern winde ich mich durch, wahrscheinlich in ähnlich unnatürlichen, verbogenen Posen wie die Profis. Und balanciere dabei Geschirr und heisses Essen.

Elegant wie ein Elefant.

Die nächste Darbietung ist eine Clownnummer. Zwei Spassvögel streiten sich um Mamas hohe Schuhe. Sie jagen einander durch das Zirkuszelt. Mal rennt der eine an der Spitze, laut schreiend, während der andere heulend nachjagt. Mal saust der andere höhnisch lachend voraus und der eine versucht irgendwie hinterher zu kommen.

Schlussendlich finden beide eine passende Verkleidung in Mamas Schrank und präsentieren fröhlich kichernd ihre Errungenschaften. Zu grosse Schuhe, überdimensionale Brillen, Hüte, die das Gesicht mit verdecken und Kleider die meterlang hinterher geschleift werden. Natürlich wird auch jemand aus dem Publikum (also eigentlich immer Mama) geholt um mitzumachen. Gefühlt tausend Spängeli, unzählige Haarreifen und viel zu viel Kinderschminke zieren mein Gesicht. Gelächter aus allen Reihen.

Langsam neigt sich die Show dem Ende und somit dem Höhepunkt zu. Es wird ernst.

Der Raubtierdompteur stolziert in die Zirkusarena. Die kleine Wilden rennen herum, kreischen laut, bespringen ihn. Ein Gerangel, da ein Kopf, hier ein paar Beine und ab und zu ein Füdlispalt.

Immer wieder hört man ein Brüllen, Quietschen und Lachen. Und dann… spricht der Dompteur ein Machtwort und es wird sofort ruhig. Denn er möchte jetzt zur Raubtierfütterung übergehen. Die kleinen Bestien sitzen zahm auf ihren Hockern und lassen es sich schmecken. Bevor sie die Manege verlassen, versuchen sie nochmals eine Meuterei. Doch der furchtlose Bändiger hält die Rasselbande in Schach und schafft sie erfolgreich zurück in ihr Gehege.

Wenn nach einem solchen Tag voller Schauspiel, Klamauk und Rummel die kleinen Artisten endlich im Bett sind und selig schlafen…

…dann macht Mutti mal kurz einen Salto Mortale.

Bild: Ckturistando Unsplash

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Ein Kommentar zu “Den Zirkus zuhause

  1. Sehr gut geschrieben, ich habe beim Lesen herzlich gelacht 😁 und so wahr! Das ganze Chaos und der Trubel den lieben langen Tag, besonders wenn zwischen den Kids nicht allzu viel Altersunterschied ist (sodass ein größeres evtl. ein wenig als “Dämpfer” wirken könnte), ich frage mich manchmal, wie wir das alle überlebt haben. Aber immerhin, alle Kinder haben noch eine vertretbare Anzahl Augen und Finger, in der Wohnung ist nichts (Wichtiges) unrettbar kaputt, und am Ende des Tages hat man sie doch gern auch wenn sie noch so viel Radau und Unordnung machen.
    Mir ist außerdem aufgefallen, dass einem das ganze Geschrei und Getobe auch so zur Gewöhnung wird, dass es einem fehlt. Bei unserem jährlichen Urlaub im Familienhotel in Südtirol wird den ganzen Tag Kinderbetreuung angeboten, und sobald die Kinder den Frühstückslöffel aus dem Mund haben flitzen sie davon und haben ihren Spaß. Ich erwische mich dann oft dabei, wie ich immer wieder nachdenke, was sie wohl gerade machen, und mich darüber wundere wie still es ist. Nicht, dass ich die Zeit mit meinem Schatz beim Wellnessen nicht genießen würde, das auf jeden Fall… aber der Rambazamba gehört als Familie halt oft einfach auch dazu 😊

    LG Tamara

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