Coronik I: Rahels Inselleben

Der zwangsläufige Abstand zu den restlichen Inselbewohnern aka Schwiegereltern ist irgendwie heilsam.

Wir haben Glück. Grosses Glück sogar. Wir wohnen ziemlich abseits, fast alleine, haben einen Spielplatz, Sandkasten und Whirlpool  im Garten. Wir leben sozusagen auf einer Insel. Mein Mann ist so oder so eingefleischter Insulaner. Unser Insel-Business scheint krisenfester als andere.

Die Schweinepest würde uns fast mehr verunsichern. So als Betrieb, der von Schweinen lebt.

Ich sitze an der Sonne und schreibe. K1 spielt mit Bäbi und Trampitraktor, K2 sitzt mit Papa im richtigen Traktor und verteilt Gülle. Ein Hoch auf das Inselleben.

Wir können rein und raus und stören niemanden. Ausser vielleicht mal die Katzen, die gerade ihre Frühlingsgefühle rauslassen. Tag und Nacht. In nicht gemässigter Lautstärke. Apropos. Wie sieht wohl die Geburtenrate in 9-10 Monaten aus? Oder die Scheidungsrate?

Noch vier Wochen, vielleicht mehr, sitzen wir auf unserer Insel fest. Und das nur knapp zwei Monate, nachdem ich nach langer Suche endlich einen neuen Job angefangen habe. Meine knapp 1.5 Tage die Woche, die ich weg von der familiären Iten-Insel verbracht habe, sind vorübergehend Geschichte.

Als Jugendarbeiterin im Home Office beschäftige ich mich im Moment ausgiebig mit TikTok, Snapchat und Co. Himmelarsch.

Aber äbe… beklagen will ich mich nicht. Sogar die Schwiegereltern halten mehr als gebührend Abstand zu unseren kleinen Virenschleudern und mir.

Denn ich huste im Moment. Und weil dieses respektvolle «ein Schritt zurücktreten» mir so gefällt, huste ich vielleicht noch 2-33 Tage länger. Denn der zwangsläufige Abstand zu den restlichen Inselbewohnern aka Schwiegereltern ist irgendwie heilsam. Oft war es mir hier auf der Iten-Insel alles zu nah, zu itenisch.

Den Inselkoller spüre ich hie und da ein wenig aufkeimen. Ich erwische mich, dass ich mir lieber eine Keiser-Insel wünsche. Der direkte Kontakt zu meiner Familie fehlt mir, ja, ich vermisse alle bereits ein bisschen. Schliesslich war meine Familie auf dem Festland bisher so etwas wie mein Escape – oder Panicroom. Bei jedem Anflug von Iten-Insel-Koller flüchtete ich zu ihnen.

Ich tankte Humor, Lachen, dumme Sprüche, Umarmungen und Nestwärme, die einem halt nur die eigene Familie so geben kann.

Und wenn ich das Inselleben etwas aus der Ferne betrachten konnte, kam ich umso glücklicher und dankbarer nach Hause.

Nun will ich ja eben nicht Jammern, sondern versuche das Beste aus dem Inselleben zu machen. So mutiere ich im Moment zur Brotback-Maschine. So viel habe ich in meinem ganzen Leben nicht gebacken. Ich wage immer mehr Neues und versuche mich an Eigenkreationen.

Wer weiss, vielleicht erscheint nach der Krise mein eigenes Backbuch.
«Inselmässige Brotrezepte», «Brotbacken für Dummies», «Brot ist, was du draus machst», «Eine Insel mit zwei Broten», «Neues von der Brotinsel»…. Ideen hätte ich ja.

Das erste Rezept aus dem Buch, tanze ich für euch auf TikTok.

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