Coronik – Coronatest, wie läuft das?

I’m sittin’ here in the boring room
It’s just another rainy Sunday afternoon
I’m wasting my time
I got nothin’ to do
I’m hangin’ around
I’m waitin’ for you
But nothing ever happens and I wonder

– Fools Garden «Lemon Tree» –

Da sitze in nun, zwar nicht an einem regenerischen, sondern eher sonnigen Sonntag, in diesem Zelt vom Corona-Test-Center. Mein erster Coronatest! Nach vier Tagen Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schüttelfrost habe ich mich überwunden DEN Test zu machen. Den Coronatest.

Das Must-Have-done von 2020.

Also eigentlich habe ich mich vom gesellschaftlichen Druck leiten lassen. Denn scheinbar ist es in der heutigen Zeit angebracht auf ein «Ich bin krank» zu antworten «Oh, hast du Corona?» oder «Hast du den Test gemacht?»

Früher, vor Corona, hat man noch «Gute Besserung» gewünscht oder nachgefragt, was man denn für einen tun könne.

Um allen die Angst zu nehmen oder eben bestätigen zu können, habe ich mich nun testen lassen.

Vom Gefühl war es wie damals, als ich mit siebzehn Jahren zum ersten Mal einen Schwangerschaftstest machte.

Ich wusste irgendwie, ich konnte (und wollte) nicht schwanger sein und doch war die Periode ausgeblieben. Etwa genau so nervös wie vor dem «Über das Stäbchen pinkeln» bin ich vor dem Coronatest.

Nur, dass das Stäbchen durch meine Nase gefühlt direkt in mein Hirn eingeführt und x-Mal rundherum gedreht wird. Tränen füllen meine Augen. Ja, es ist unangenehm, aber machbar. Sogar für mich als Spitalschisser und Spritzenphobiker. Hätte ich Blut geben müssen, wäre ich bestimmt heulend davon gerannt. Nach wie vor bevorzuge ich Schwangerschaftstests. Ein bisschen Bisi kann ich ohne Schmerzen und Angst entbehren.

Zum ganzen Ablauf in diesem Corona-Test-Center kann ich sagen: Top organisiert! Nettes Personal, keine lange Wartezeit (beim Hausarzt muss ich jeweils länger im Wartezimmer hocken) und völlig unkompliziertes Aufklären. Ich bin innerhalb von zehn Minuten wieder raus aus dem Zelt.

In der Hand ein Merkzettel: «Wie weiter nach dem Corona-Test?» Ja, wie weiter?

So ein Zettel wäre auch nach einem Schwangerschaftstest sehr praktisch.

Das Resultat erhält man innerhalb von 24-48 Stunden. Heisst in diesem Moment, in dem ich den Text schreibe, habe ich noch kein Ergebnis. Das ist beim Schwangerschaftstest etwas kurzweiliger. Pinkeln – fünf Minuten warten – Zack Ergebnis. Keine Zeit sich Gedanken zu machen «Was wäre wenn».

Obwohl ich ehrlich sagen muss, diese Gedanken habe ich jetzt trotzdem nicht. Ich habe zwar Corona-Symptome aber noch lange nicht alle.

Ist der Test positiv, müssten meine Kids zwei Wochen mit mir Zuhause bleiben. Das Netflix-Abo haben wir zum Glück erst noch erneuert. Die Liste von uns «Kinder Zuhause beschäftigen» habe ich bereits hervor gekramt. So bin ich im schlimmsten Fall gewappnet.

Während wir heute und vielleicht auch morgen auf das Ergebnis warten, muss K1 auf den Kindergarten verzichten. Und sie fand das so gemein! Immerhin sei sie ja nicht krank! Sie möchte so gerne in den Kindergarten gehen. I feel you, Kind, I feel you.

Rahels Tochter darf nicht in den Kindergarten – betätigt sich trotzdem kreativ und malt Mama in Zeiten von Corona…

Irgendwie fühle ich mich ihr gegenüber schuldig, denn einen Tag später geht es mir schon viel besser. Und ich fühle mich ein bisschen doof, den Test gemacht zu haben. Immerhin sagte mir mein Bauchgefühl: GRIPPE! Und ob dieses Bauchgefühl stimmt, weiss ich auch 22 Stunden nach dem Test immer noch nicht.

Mein Bauchgefühl ist eigentlich sehr zurechnungsfähig, auch in krankem Zustand. Sogar besoffen trifft es meistens ins Schwarze.

Quarantäne während man auf das Ergebnis des Coronatests wartet, hat auch was Positives: Rahel, die sonst für rund zehn Personen kochen muss, backt für einmal kleine Brötchen.

Und dann ENDLICH, so ziemlich auf den Punkt 24 Stunden nach der wunderbar unangenehmen Schnuddernase-Hirnmasse-Entnahme: Das Ergebnis!

Das Ganze kommt per Email. Ich öffne die Mail, darin ein Link. Den ich öffne, worauf eine Datei erscheint, die ich dann auch noch herunterladen muss.

Himmel, was wenn Schwangerschaftstests so aufwendig wären?

Ich klicke mich durch und bin innerlich auf alles vorbereitet. So wie damals, mit dem Schwangerschaftstest mit siebzehn Jahren. Wäre ich damals schwanger gewesen, wäre es etwa so gewesen: «Hmm, oh, ok, naja, wir werden das Kind schon schaukeln.» Und so sehe ich es im Moment auch mit Corona. Sollte der Test positiv sein: «Hmm, oh, ok, naja, ist Scheisse aber kannst es ja nicht ändern.»

Endlich hat es die Datei heruntergeladen und…

NEGATIV. Yes!

Was für ein Stein mir vom Herzen fällt. Er ist mindestens genau so gross wie damals… mit 17. Nur wären die Spätfolgen jetzt bereits 18 Jahre alt und das Schlimmste bestimmt überstanden (Hallo Trotzphase, Hallooo Pubertät!)

Bei Covid-19 sind die Spätfolgen ja noch ungewiss.

Negativ. Mein erster und hoffentlich letzter Corona-Test ist NEGATIV.

Freude herrscht. Und dann mein Hirn so: «Aber hey, was ist es dann, dass dich so fiebern lässt? Du hast eigentlich nie Fieber!» Ah Merci, Danke, easy, soll passieren! Shut up Hirn!

 

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