Babysitter engagieren: Das erste vs. das 1299. Mal

Na wer erinnert sich. Dieses Gefühl, wenn man das erste Mal einen Babysitter engagiert. Das Kind noch ein Baby, so klein, so hilflos, so zart, so zerbrechlich, so abhängig und ohne Mama kaum überlebensfähig. Überhaupt kann niemand die Zeichen deuten, die dein Babylein aussendet. Wenn es müde ist, wenn es Hunger hast. NUR DU WEISST Bescheid.

Darum kann diese immense Verantwortung nur an jemanden sehr kompetenten abgetreten werden.

So wird beim ersten Babysitter ein gründlicher Background-Check gemacht. Facebook, Insta, Twitter, MSN, Partypeople, alle Kanäle werden geprüft und nach der kleinsten Macke wird gesucht. Natürlich fragt man auch bei Google nach, wer denn da ins Haus kommt. Referenzen werden eingeholt, Arbeitszeugnisse entcodiert und studiert, ein Leumundszeugnis verlangt. Auszug aus dem Betreibungsregister und das Haar für Drogentest angefordert.

Der Privatdetektiv für die Observierung in den Wochen vor dem Einsatz ist bereits angeheuert.

Dann kommt er, der grosse Tag. Das erste Mal das Kind einer fremden Person abgeben (ok, vielleicht ist es auch nur die Schwiegermutter oder die Nachbarin aber die Abklärungen vorab bleiben dieselben).

Die Einführung ist einer Schulung gleichzustellen. Das Kind wird vorgestellt, Vorlieben, Macken, Rituale. Essenszeiten, Abläufe und Mahlzeitenzubereitung penibel erklärt und notiert. Eigene Nummer, die des Mannes, Nummer und Adresse des Aufenthaltsortes der Eltern gross aufgeschrieben und an den Kühlschrank gehängt. Während der ersten Stunde ist man stets in der Nähe, beobachtet, macht sich Notizen, sozusagen eine begleitete Sequenz und die erste Prüfung.

Überhaupt wagt man sich beim ersten Mal nicht allzu weit weg und schon gar nicht zu lange. Der obligate Kontrollanruf folgt nach einer Stunde.Natürlich will man nur kurz nachfragen, ob denn alles läuft, wie es muss.

Die mütterlichen Ohren gespitzt aufs Äusserste, um im Hintergrund nur das leiseste Wimmern des Nachwuchses zu erhaschen.

Der Babysitter kann erzählen, was er will, die Konzentration ist voll und ganz darauf gerichtet, auch nur den kleinsten Ton vom geliebten Baby wahrzunehmen. Ein Lebenszeichen, ein Hilferuf, irgendwas.

Den ersten Ausgang geniessen?

Fehlanzeige. Immer wieder huscht der Blick aufs Handy. Als würde man erwarten, dass der Babysitter versagt. Dass er hilfeschreiend anruft und du als tapfere Heldin, als grossmütige Retterin, nach Hause zu deinem Kind eilst.

Die Lösung aller Probleme und Sorgen. Die Mama.

Die Bestätigung, dass du einfach das Beste für dein Kind bist und sich niemand so gut darum kümmern kann wie du. NIEMAND. Denn all diese Aufzählungen betreffend Hintergrundabklärungen, etc., gelten ja auch für den Ehemann, Partner, den Vater des Kindes. Dabei muss man ein bisschen aufpassen, was man denn plötzlich alles so herausfindet über den Mann, den man liebt und zu kennen meint.

Doch meistens läuft diese Erwartung, in einer Heldensaga zu enden, auf eine Enttäuschung hinaus. Denn das Kind macht gut mit, spielt fröhlich mit dem Babysitter, ist sauber und satt mit geputzten Zähnchen im Bett. Friedlich schlafend. Die ganze Nervosität war für Nichts und du kannst ein wenig über dich selbst lachen, für wie unentbehrlich du dich findest.
Ja so in etwa läuft das ab, wenn man zum ersten Mal einen Babysitter engagiert.

Und danach? Beim 1299. Mal?

Da die Kids inzwischen sprechen können und du die Me-Time echt nötig hast, wirfst du dem eintreffenden Babysitter das Kind entgegen mit den Worten: «Es sagt dir dann schon was es hat oder will. Ich bin in 24-48 Stunden wieder zurück. VIEL GLÜCK!!!»

Handy bleibt ausgeschaltet oder Zuhause liegen.

 

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