Afterbabybody – Ein Blick darauf

Der Höhepunkt der Kombi Weiblichkeit und Jugendlichkeit ist bei mir mit annähernd vierzig wohl offiziell vorbei. Von jetzt an kann ich nur noch mit Weiblichkeit punkten.

Die Jugendlichkeit macht Alterserscheinungen Platz. Die einen offensichtlicher als die anderen.

Kürzlich habe ich beim Scanning durch die Hautärztin den Richtpreis fürs Eliminieren von kleinen Hautflecken gekriegt. 200 Franken für 100 (oder waren’s 1000?) Flecken in 15 Minuten. Man solle doch Altern dürfen, meinte sie, selber auf den ersten Blick ungefleckt. Und meine Flecken, die seien doch gar nichts. Im Vergleich.

Im Vergleich…

Und da ist noch die Nachgeburtlichkeit. Wenig offensichtlich. Wenig schmerzhaft. Wenig ausgeprägt.

Aber: Vorhanden.

Nicht im Vergleich mit anderen. Aber im Vergleich zu meinem früheren Selbst.

Als ich abends in der Badewanne liege. Wandert der Blick über alles, was neu ist. Was anders geworden ist. Über kleine Dellen, kleine Wellen, Flecken.

Und damit beginnt der Text, den ich nicht nur für mich geschrieben habe:

Afterbabybody

Hallo, du Unbekannter.
Der du mir nahe warst, wie keiner sonst.
Und jetzt, bist du mir fremd geworden.
Hängst schlaff in den Seilen. Das Licht ist aus.
Die Show, sie ist zuende.

Noch immer bist du mir nahe.
Doch meine Augen gleiten fragend über dich.
Stolpern über Dinge, die zuvor nicht waren.

Bist du es noch?
Flüstere ich dir zu.
Manchmal streichle ich dich verwundert.
Manchmal stösst mich ab, was aus dir geworden ist.

Ich habe dich nicht ausgeliehen.
Ich hatte dich immer.
Immer warst du mir.
Bist du heute noch.
Doch ich habe dich geteilt.
Und das
hat uns verändert.

Du hast dich verändert.

Manchmal fällt es mir schwer, dich anzusehen.
Manchmal schäme ich mich, dass du zu mir gehörst.
Manchmal möchte ich dich verstecken.
Doch fühlen tue ich dich trotzdem.

Ich will dir gegenüber nicht gleichgültig werden.
Nur, um deine Gegenwart erträglich zu machen.
Ich will dich auch nicht verwegen bewundern,
um deine Mankos damit auszugleichen.
Denn sie sind da.

Doch ich sehe dich.
Wie du in den Seilen hängst.
Und mein Herz berührt, was du getan hast.
Dein Auftritt war Weltklasse.
Verlässlich. Übernatürlich. Magisch.
Du hast gewonnen – und doch
gehst du als Verlierer vom Platz.

Ich möchte zärtlich sein mit dir.
Verletzlich, wie du bist.
Dich aufbauen, dir Gutes zusprechen.
Dir danken.

Ich will deinen Unzulänglichkeiten gegenüber nachsichtig sein
in einer befreiten, liebevollen Weise.
Geduldig. Fürsorglich.
Fordernd vielleicht, aber deine Grenzen spüren und akzeptieren.

Du bist mir nahe. Wie keiner sonst.
Ich will, dass unsere Nähe zumindest erträglich ist.
Besser noch: Schön.
Ich hatte dich immer.
Immer warst du mir.
Und ich möchte die Zeit
mit dir
geniessen.

Dieser Text wurde erstmals veröffentlicht auf www.instagram.com/nadine.chaignat

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